Erste Eindrücke: Gutes Display, aber fragwürdige Preisgestaltung
Mit dem Xiaomi 17T Pro betritt der chinesische Hersteller erneut die Bühne der Oberklasse-Smartphones. Der erste Eindruck des Geräts fällt dabei zwiespältig aus: Während das Display mit gleichmäßigen Rändern und knackiger Darstellung überzeugt, trüben die Preisgestaltung und einige Software-Entscheidungen die ansonsten gute Hardware-Erfahrung deutlich.
Die Basisversion des 17T Pro schlägt mit 900 Euro zu Buche. Damit verlässt Xiaomi endgültig die Rolle des "Flagship-Killers" aus der Einstiegspreisklasse und bewegt sich fest im Premium-Segment. Wer 100 Euro Aufschlag zahlt, erhält 512 GB Speicher, die 1TB-Variante kostet sogar 1.000 Euro. Kritikwürdig: Alle drei Varianten kommen mit 12 GB RAM daher. Der Aufschlag von jeweils 100 Euro rechtfertigt sich rein durch den NAND-Flash-Speicher – eine Preispolitik, die angesichts gestiegener Speicherpreise zwar nachvollziehbar, im Vergleich zur Konkurrenz oder zum günstigeren 17T (ohne Pro) jedoch schwer verdaulich ist. Dort kostet die Verdopplung auf 512 GB lediglich 50 Euro Aufpreis.
Update-Versprechen: Ein Plus für die Pro-Version
Ein wichtiger Aspekt für die Langzeitnutzung ist die Software-Unterstützung. Xiaomi verspricht für das 17T Pro fünf Jahre Android-Updates sowie sechs Jahre Sicherheitsupdates. Damit setzt sich das Pro-Modell deutlich vom kleineren 17T ab, der lediglich vier Jahre Android-Updates erhält. Ob dies zwingend an den verbauten MediaTek-Prozessoren (Dimensity 9400/9500 im Pro vs. 8500 Ultra im Standard-Modell) liegt oder schlichtweg eine strategische Produktabgrenzung darstellt, darf bezweifelt werden. Fünf Jahre Support sind im Android-Lager auf jeden Fall ein starker Wert.
Das Setup-Erlebnis: Werbe-Schock und Bloatware
Wer ein Gerät für 900 bis 1.000 Euro kauft, erwartet eine nahtlose, werbefreie Einrichtung. Genau hier enttäuscht das Xiaomi 17T Pro jedoch auf ganzer Linie. Bei der Ersteinrichtung poppt plötzlich Werbung auf – ein absoluter No-Go in dieser Preisklasse. Der YouTuber "Technikfaultier" reagierte im Setup-Prozess sichtlich irritiert auf diese Einblendungen, die offenbar über die hauseigene "Get Apps"-Plattform ausgespielt wurden.
Dazu gesellt sich eine beachtliche Menge an vorinstallierter Software (Bloatware). Neben den üblichen Google-Diensten finden sich Apps wie Amazon, LinkedIn, CandyCraft, Spotify, TikTok, AliExpress, Facebook, Instagram und Netflix auf dem Gerät. Zwar lassen sich diese deinstallieren, aber die Notwendigkeit, ein teures Smartphone erst einmal von unerwünschter Software zu befreien, ist ein Ärgernis.
Positiv hingegen: Wer auf Datenschutz achtet, wird im Setup begrüßt. Als Suchmaschine ist neben Google auch Startpage (welche den Google-Index ohne personenbezogene Tracking-Daten nutzt) oder Brave wählbar. Auch die Gesichtserkennung und die PIN-Einrichtung funktionieren flott, auch wenn die Gesichtserkennung von Xiaomi ausdrücklich als weniger sicher deklariert wird.
Speicherplatz und verborgene Features
Entscheidet man sich für die 512-GB-Version, stehen nach der Einrichtung und Berücksichtigung des Betriebssystems rund 492 GB nutzbarer Speicher zur Verfügung. Etwa 36 GB sind für das System reserviert – ein solider Wert. Bei der 256-GB-Basisversion bleiben somit gut 230 GB für den Nutzer übrig.
Ein Detail, das in der Oberklasse immer seltener wird, ist der Infrarot-Blaster. Xiaomi verbaut ihn auch im 17T Pro, die hauseigene "Mi Fernbedienung"-App ist vorinstalliert. Wer smarte Geräte per IR steuern möchte, wird dieses Feature zu schätzen wissen.
Kamera: Ein kurzer Blick
Der erste Blick auf die Kamera-Software und die Fototechnik macht Lust auf mehr. Die Aufnahmen des 17T Pro auf dem Display zeigen sich farbkräftig und scharf. Auch die Frontkamera mit 31 Megapixeln liefert solide Ergebnisse für Selfies und Videoanrufe. Bei der Videoaufzeichnung in 4K bei 30 fps zeigt der Autofokus eine ordentliche Performance, wenngleich bei der Einrichtung der Kamera-App die ein oder andere Menüführung noch etwas runder wirken könnte.
Fazit: Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück
Das Xiaomi 17T Pro ist ein Gerät mit starken Argumenten: Das Display, das Update-Versprechen von fünf Jahren und die Infrarot-Schnittstelle sind Pluspunkte. Die aggressive Preisgestaltung beim Speicher und vor allem die Werbung sowie Bloatware während des Setups sind für ein 900-Euro-Gerät jedoch inakzeptabel. Xiaomi muss hier nachbessern, wenn sie im Premium-Segment ernst genommen werden wollen. Wer das Gerät kauft, bekommt eine starke Hardware – muss aber in Kauf nehmen, diese erst von störenden Werbeeinblendungen und überflüssigen Apps zu befreien.
Quelle: Technikfaultier