Die Rückkehr eines Exoten
Vor über zehn Jahren veröffentlichte Valve den ersten Steam Controller – ein kontroverses, aber vorausschauendes Gerät, das den Graben zwischen Couch-Gaming und PC-Desktop überbrücken sollte. Nun ist der Nachfolger da, auch wenn Valve ihn schlicht wieder „Steam Controller“ nennt (was intern und extern regelmäßig zu dem Kürzel „Steam Controller 2“ führt). Für die hartgesottenen Fans des Originals ist es ein Traum, der in Erfüllung geht. Für alle anderen ist das Gerät ein faszinierendes Rätsel: Teil Gamepad, Teil Maus-Ersatz und völlig anders als alles auf dem Markt.
Haptik, Ergonomie und die Frage der Reparierbarkeit
Wer den neuen Steam Controller in die Hand nimmt, wird zunächst gemischte Gefühle haben. Das verwendete Plastik wirkt im Vergleich zu den First-Party-Controllern von Sony, Microsoft und Nintendo etwas billig. Auch die Ergonomie hat ihre Tücken: Die Griffe wurden im Vergleich zum Steam Deck zwar angepasst, erinnern im Haltegefühl aber eher an einen 8BitDo-Controller als an das ergonomische Rund eines Xbox-Pads. Besonders Spieler mit kleineren Händen könnten Probleme haben, die Thumbsticks bequem zu erreichen – und wer die Sticks flach bedient, riskiert das sogenannte „Thumb Kissing“, wenn sich die Daumen berühren.
Interessant ist jedoch ein Detail auf der Unterseite: Die Finger landieren unweigerlich auf den Schraublöchern. Während das auf den ersten Blick wie ein Designfehler wirkt, könnte es auch ein bewusster Verweis auf die Reparierbarkeit sein. Valve setzt die Partnerschaft mit iFixit fort und stellt Ersatzteile zur Verfügung – ein enormer Pluspunkt in Zeiten geplanter Obsoleszenz.
Die Magie der Trackpads
Das Herzstück des Controllers sind zweifellos die haptischen Trackpads. Valve hat das gewöhnungsbedürftige, konkave Design des Originals verworfen und setzt nun auf die größeren, flacheren Pads, die bereits vom Steam Deck bekannt sind. Für Spieler, die Strategiespiele wie Anno von der Couch aus spielen möchten, sind diese Pads ein Gamechanger. In Kombination mit der unvergleichlichen Flexibilität von Steam Input lassen sich Gesten und Community-Konfigurationen laden, die das Trackpad in einen vollwertigen Maus-Ersatz verwandeln. Es ist diese Brückenfunktion zwischen Desktop- und Couch-Gaming, die den einzigartigen Wert des Controllers ausmacht.
TMR statt Hall Effect: Ein verstecktes Highlight
Ein oft übersehenes, aber technologisch herausragendes Feature verbirgt sich unter den Thumbsticks: TMR (Tunnel Magnetoresistance) Joysticks. In den letzten Jahren feierte die Hall-Effect-Technologie als Lösung gegen den gefürchteten Stick-Drift, da sie ohne physischen Kontakt auskommt. Der Nachteil: Hall Effect benötigt mehr Strom. TMR vereint nun das Beste aus beiden Welten – keine physische Abnutzung, hohe Präzision für minimale Deadzones und einen geringen Stromverbrauch. In Labortests zur Input-Latenz zeigte der Steam Controller zudem hervorragende Werte, die nur von rein auf E-Sport ausgelegten Controllern getoppt wurden.
Der innovative Lade-Dongle
Ein weiteres Meisterstück an durchdachter Hardwaredesigns ist der mitgelieferte Wireless-Dongle. Er fungiert gleichzeitig als magnetische Ladestation. Man stellt den Controller einfach auf den Puck, um ihn aufzuladen – kein ständiges Ein- und Ausstecken von USB-C-Kabeln mehr, was den Port schont. Ein einzelner Dongle kann bis zu vier Controller koppeln und unterstützt sogar kabellose Firmware-Updates. Das ist genau die Art von Pragmatismus, die man von Valve erwartet.
Schwächen bei Triggern und Face-Buttons
Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Die Face-Buttons nutzen eine weiche Gummimembran, die zwar angenehm leise ist, aber nicht das pralle, clicky-Feedback bietet, das viele Spieler bevorzugen. Noch enttäuschender sind die Trigger: Sie bieten weder das adaptive Feedback eines DualSense noch die Rumble-Trigger der Xbox. Sie verfügen nicht einmal über die Zwei-Stufen-Aktivierung des originalen Steam Controllers. Für ein Gerät, das sich als Premium-PC-Controller positioniert, ist das ein spürbares Defizit. Auch das D-Pad ist Geschmackssache – zwar hat Valve laut eigenen Angaben viel Arbeit in saubere Diagonalen investiert, das physische Feedback bleibt aber hinter dem des Steam Decks zurück.
Positiv hingegen sind die vier Paddle-Buttons auf der Rückseite: Sie sitzen griffgünstig, sind ausreichend steif, um versehentliche Eingaben zu minimieren, und lassen sich hervorragend nutzen, um die Six-Axis-Gyro-Steuerung zu aktivieren. Gyro-Aiming in Kombination mit den Trackpads bleibt eine überlegene Eingabemethode für PC-Spieler, die auf der Couch präzise Zielen wollen.
Fazit: Nischenprodukt mit Brillanz
Der neue Steam Controller ist ein Paradoxon. In Disziplinen, wo es auf Millisekunden und taktiles Feedback ankommt, wird er von Konkurrenten wie dem GameSir Cyclone (der im Übrigen einen deutlich umständlicheren Pairing-Prozess hat) oder den First-Party-Pads geschlagen. Doch als Brückenschlag zwischen Sofa und PC-Desktop ist er ungeschlagen. Wer RTS, Simulationen oder Maus-lastige Spiele auf dem großen Bildschirm spielen will, findet hier kein besseres Gerät. Die TMR-Joysticks und der geniale Lade-Dongle sind Vorbilder für die Branche – auch wenn die Trigger und das Plastikgehäuse zeigen, dass Valve bei der Zielgruppenbalance noch nicht ganz ins Schwarze getroffen hat.
Quelle: Linus Tech Tips