Es ist ein Meilenstein für die Mac-Gaming-Community: Age of Empires II: Definitive Edition ist ab sofort für macOS verfügbar. Nachdem der Titel Ende April für das Apple-Betriebssystem angekündigt wurde, hat Publisher Feral Interactive nun die Hürden genommen und das Spiel pünktlich in die digitalen Stores gebracht. Für lange Zeit waren Mac-Nutzer bei echten Echtzeit-Strategiespielen (RTS) auf Cloud-Dienste oder Workarounds angewiesen – das ändert sich nun schrittweise.
Apple Silicon nativ: Performance ohne Rosetta-Umweg
Das vielleicht wichtigste Detail für die technische Einordnung: Die macOS-Version ist nativ für Apple Silicon optimiert. Das bedeutet, dass Besitzer von Macs mit M1-, M2-, M3- oder M4-Chips das Spiel ohne die Rosetta-2-Übersetzungsschicht ausführen können. In der Praxis verspricht das nicht nur flüssigere Frameraten, sondern auch eine deutlich bessere Energieeffizienz – ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn man stundenlang in historischen Schlachten versinkt und der Akku eines MacBooks geschont werden soll.
Technisch liefert Feral Interactive laut eigenen Angaben eine Version mit „4K-Visuals, einem remasterten Soundtrack und neuen Animationen“. Wer AoE2 in Erinnerung hat, weiß: Das Spiel hat auch in der Definitive Edition seine pixelige Grund-Charme bewahrt, profitiert aber massiv von der gestochen scharfen Darstellung auf modernen Retina-Displays.
Verfügbarkeit, Preise und der fehlende Mac App Store
Das Spiel ist aktuell auf Steam sowie im Feral Store für 34,99 US-Dollar erhältlich. Alle bisher erschienenen DLCs können direkt mitgekauft werden. Ein Blick auf die Preisgestaltung zeigt jedoch den typischen Mac-Gaming-Haken: Während PC-Spieler bei Steam-Sales oft Schnäppchen machen, sind neu veröffentlichte Mac-Ports selten rabattiert.
Auffällig ist auch das Fehlen im Mac App Store. Dieser soll laut Feral Interactive zwar „später in diesem Jahr“ folgen, doch die Verzögerung ist symptomatisch. Der Mac App Store hat sich als Vertriebsweg für komplexe Spiele nie wirklich etablieren können, nicht zuletzt wegen Apples restriktiver Sandbox-Regeln und der 30-prozentigen Umsatzbeteiligung. Die meisten Mac-Gamer greifen ohnehin zu Steam, um den plattformübergreifenden Bibliotheken-Ökosystem-Treue zu bleiben.
Der Inhalt: Viel Historie fürs Geld
Die Definitive Edition ist nicht nur ein simpler Remaster, sondern ein vollumfängliches Paket. Das Basisspiel enthält direkt drei Erweiterungen: „Lords of the West“, „Dynasties of India“ und „Dawn of the Dukes“. Wer den vollen Umfang will, greift zu den zusätzlichen DLCs, darunter das frisch veröffentlichte „The Last Chieftains“, das mittelalterliche Geschichte und Folklore in den weiten Landschaften Südamerikas verknüpft.
Spielerisch bleibt die Formel bewährt: Einsteiger und Veteranen können sich in Singleplayer-Kampagnen rund um historische Persönlichkeiten versuchen, im Skirmish-Modus gegen bis zu acht KI-Gegner (online oder offline) antreten oder sich in kooperativen Multiplayer-Kampagnen zusammentun.
Kritische Einordnung: Der Multiplayer-Haken
Hier kommt jedoch der Punkt, der den Jubel bei Mac-Gamern etwas dämpft. Der Quelltext spricht davon, dass man sich mit „anderen Mac-Spielern“ in kooperativen Multiplayer-Kampagnen zusammentun kann. Historisch gesehen sind Ports von Feral Interactive oft ohne Cross-Play zur PC-Version erschienen. Wenn das auch hier der Fall ist, bedeutet das: Mac-Spieler können nur mit anderen Mac-Spielern spielen.
In der RTS-Szene ist die PC-Community gigantisch, das Matchmaking funktioniert flüssig. Eine isolierte Mac-Spielerbasis könnte jedoch schnell zu langen Warteschleifen im Multiplayer oder zu unausgewogenen Matches führen. Hier muss Feral Interactive noch Transparenz schaffen, ob Cross-Play unterstützt wird oder die Mac-Community in einer Insellösung vorliebnehmen muss. Ein Novize-Guide zum Mac-Release wurde bereits veröffentlicht und deutet auf eine solide Vorbereitung hin, doch die Multiplayer-Vitalität wird über die Langzeitmotivation entscheiden.
Fazit
Dass Age of Empires II: Definitive Edition den Weg auf den Mac findet, ist ein großer Gewinn für das Apple-Gaming-Ökosystem. Die native Apple-Silicon-Unterstützung zeigt, dass Entwickler die Hardware zunehmend ernst nehmen. Solange man jedoch primär im Multiplayer gegen PC-Spieler antreten will, sollte man vor dem Kauf abwarten, ob Cross-Play tatsächlich implementiert ist. Für Fans der Solo-Kampagnen und Skirmish-Modi ist der Kauf hingegen ein absolutes No-Brainer.
Quelle: 9to5Mac