Der Smart-Ring-Markt wird zunehmend umkämpft, doch Oura bleibt nicht untätig. Mit dem Oura Ring 5 präsentiert das finnische Unternehmen die bislang weitreichendste Überarbeitung seiner Hardware und Software. Das Ziel ist klar: Vom reinen Lifestyle- und Sleep-Tracker hin zu einer ernstzunehmenden Plattform für proaktives Gesundheitsmonitoring zu avancieren.
Hardware: Endlich schlanker und inklusiver
Ein lange bekannter Kritikpunkt an Smart Rings ist ihr oft klobiges Design. Oura verspricht beim Ring 5 eine „signifikant kleinere“ Bauweise, was für Tragekomfort und Ästhetik ein wichtiger Schritt ist. Doch die Veränderungen sind mehr als nur oberflächlich. Unter der Haube wurde das Sensorensystem komplett überarbeitet. Eine neue Signalarchitektur nutzt präzisionsgefertigte Sensor-Dome für besseren Hautkontakt, stärkere LEDs und zwölf Signalwege.
Besonders erwähnenswert ist die Aussage des Herstellers, dass diese Architektur „höhere Genauigkeit über mehr Fingertypen und Hauttöne“ liefert. Dass Wearables bei dunkleren Hauttönen ungenauere Pulsdaten liefern, ist ein branchenweites Problem, das in der Vergangenheit oft vernachlässigt wurde. Oura scheint hier endlich technologische Konsequenzen gezogen zu haben.
Software: „Health Radar“ und der Fokus auf Trends
Das Highlight der neuen Software-Generation ist die Funktion „Health Radar“. Sie baut auf dem 2024 gestarteten Symptom Radar auf, der frühe Krankheitszeichen erkannte, und geht einen Schritt weiter. Zwei neue Kernfunktionen stehen im Fokus:
- Blood Pressure Signals: Der Ring misst nicht den absoluten Blutdruck (dafür fehlt die medizinische Zulassung und die kalibrierte Manschettentechnik), sondern überwacht kontinuierlich Muster, die auf kardiovaskuläre Belastung hindeuten. Nutzer erhalten Einblicke in nächtliche Blutdrucktrends – ein wertvoller Indikator, da nächtlicher Bluthochdruck ein starkes Warnsignal ist.
- Nighttime Breathing: Eine 30-Tage-Rolling-Analyse von schlafbezogenen Atemstörungen. Dies positioniert den Oura Ring als potenzielles Frühwarnsystem für Schlafapnoe, mit konkreten Hinweisen, wann ärztlicher Rat eingeholt werden sollte.
GLP-1-Tracking und der Brückenschlag zur Telemedizin
Sehr klug – und hochaktuell – ist die Einführung der GLP-1 Insights. Medikamente wie Ozempic oder Wegovy dominieren die Gesundheitsthemen. Oura ermöglicht es nun, Dosis, Nebenwirkungen, Gewichtsveränderungen und biometrische Daten an einem Ort zu bündeln. Damit positioniert sich der Ring als idealer Begleiter für diese wachsende Nutzergruppe.
Zudem wird Oura mit seiner App verstärkt zur Gesundheitszentrale. Ein neues „Health Records“-Feature erlaubt US-Nutzern den Import von Diagnosen, Medikamenten, Laborwerten und Allergien. Noch spannender: Die Partnerschaft mit Counsel Health. In 43 US-Bundesstaaten können Nutzer gegen Aufpreis KI-gestützte Gesundheitsfragen stellen und sich mit lizenzierten Ärzten verbinden. Oura wird damit zum Gateway für Telemedizin. Ob und wann diese Funktionen den Weg nach Europa finden, bleibt abzuwarten – die regulatorischen Hürden (DSGVO, Medizinprodukterecht) sind hier deutlich höher.
Weitere Neuerungen: Workouts, Gehirnforschung und Datenschutz
Auch die Fitness-Fraktion kommt auf ihre Kosten: Ein Live-Workout-Tracking mit Echtzeit-Tempo, Distanz und Herzfrequenz via verbundenem Gerät schließt die Lücke zu klassischen Sportuhren. Im Bereich Oura Labs startet zudem eine „Brain Health Study“, die kognitive Assessments mit biometrischen Daten verknüpft.
Ein kleiner, aber wichtiger Feature-Zuwachs aus Datenschutzsicht ist das zeitbasierte Data Deletion Tool. Nutzer können nun Daten aus bestimmten Zeiträumen löschen, ohne die gesamte Historie vernichten zu müssen – ein Zugeständnis an den Wunsch nach Datenhoheit.
Preis, Abo-Zwang und das neue Lade-Etui
Der Oura Ring 5 schlägt mit 399 $ in den Farben Silver und Black zu Buche; Premium-Finishes wie Gold, Stealth, Brushed Silver und Deep Rose kosten 499 $. Das Vorgängermodell Oura Ring 4 bleibt vorerst für 349 $ im Sortiment.
Neu im Zubehör ist ein optionales Charging Case für 99 $. Es bietet eine Akkulaufzeit von einem ganzen Monat und unterstützt kabelloses Laden – praktisch für Vielreisende. Eine „Locate“-Funktion hilft zudem, verlegte Ringe oder Etuis wiederzufinden.
Kritische Einordnung: Der Oura Ring 5 ist ein starker Evolutionssprung. Die Reduzierung der Baugröße in Kombination mit den verbesserten Sensoren für diverse Hauttöne behebt zwei der größten Schwachpunkte früher Generationen. Der Fokus auf Trend-Analysen (Blutdruck, Atmung) statt auf absolute Messwerte ist der richtige Weg, um rechtliche Grauzonen zu umgehen und den Nutzern dennoch Mehrwert zu bieten. Besonders das GLP-1-Tracking zeigt, dass Oura den Puls der Zeit trifft.
Der große Elefant im Raum bleibt jedoch das Geschäftsmodell: Für die volle Funktionalität ist nach wie vor ein Oura Membership für 5,99 $ pro Monat (bzw. 69,99 $ jährlich) nötig. Wer bereits fast 400 $ für einen Ring zahlt, wird die Zwangsabgabe weiterhin als ärgerlich empfinden. Wenn Oura jedoch die versprochenen Brücken zur echten medizinischen Diagnostik und Telemedizin schlägt, relativiert sich dieser Kostenaufwand für gesundheitsbewusste Nutzer schnell. Die Vorbestellungen laufen ab heute, der Versand startet am 4. Juni.
Quelle: MacRumors