Smart Rings werden erwachsen – der Oura Ring 5 setzt neue Maßstäbe
Die Wearable-Branche blickt auf den Smart-Ring-Markt, und Oura liefert mit der Vorstellung des Oura Ring 5 gleich mehrere Argumente, warum das Handgelenk nicht das einzige Trageort für Gesundheitsdaten sein muss. Die fünfte Generation des finnischen Bestsellers bringt eine drastische Designüberarbeitung, innovative Sensortechnik und vor allem neue Health-Features mit, die das Gerät näher an die medizinische Diagnostik heranrücken.
Design: Das größte Manko wird zur Stärke
Die vielleicht wichtigste Neuerung betrifft die Optik und Haptik. Bisher war der Oura Ring ein Statement – aber eben auch ein recht klobiges. Mit dem Ring 5 ändert sich das grundlegend. Das Gerät ist 40 % kleiner als sein Vorgänger. Die Breite reduzierte sich von 7,99 mm auf nunmehr 6,09 mm, die Dicke schrumpfte von 2,88 mm auf 2,29 mm. In der Praxis bedeutet das: Der Oura Ring 5 sieht eher aus wie ein klassischer Ehering oder ein schlichtes Schmuckstück und nicht mehr wie ein auf die Finger geschnalltes Tech-Gadget.
Diese Reduktion war ein massiver Ingenieursaufwand. Oura musste die mechanischen, elektrischen, optischen und Batterie-Architekturen komplett neu denken, um diese flachere, natürlichere Krümmung zu erzielen, ohne Kompromisse bei der Akkulaufzeit einzugehen. Und in der Tat: Die versprochene Akkulaufzeit von einer Woche bleibt trotz des dramatisch kleineren Gehäuses bestehen.
Sensorik: Mehr Pfade, bessere Signale
Kleineres Gehäuse, aber bessere Leistung? Oura verspricht genau das. Eine neue Signalarchitektur sorgt für einen verbesserten Hautkontakt, während stärkere LEDs klarere und konsistentere Messungen liefern sollen. Besonders spannend: Der Ring 5 nutzt nun zwölf stärkere Signalpfade. Das adressiert eine der größten Schwächen optischer Sensoren an den Fingern: die Ungenauigkeit bei dunkleren Hauttönen oder ungewöhnlichen Fingerformen. Oura positioniert sich hier als Vorreiter für Inklusivität in der Wearable-Sensorik – ein Punkt, der in der Branche bisher oft vernachlässigt wurde.
Health Radar: Vom Tracker zum prädiktiven System
Mit dem neuen Health Radar führt Oura ein Feature ein, das den Wandel vom reinen Daten-Sammler zum proaktiven Gesundheitsberater markiert. Das System überwacht kontinuierlich biometrische Signale im Hintergrund und zielt darauf ab, Muster zu erkennen, bevor sie zu gesundheitlichen Problemen werden. Es baut auf dem bisherigen „Symptom Radar“ auf, geht aber konzeptionell deutlich darüber hinaus.
Zwei neue Kernfunktionen sind hier besonders hervorzuheben:
Blood Pressure Signals: Oura misst zwar keinen absoluten Blutdruckwert, überwacht aber Verschiebungen und Muster, die auf kardiovaskuläre Belastung hindeuten. Der Fokus liegt auf dem nächtlichen Blutdruck. Während des Schlafs, wenn die Einflüsse von Stress, Koffein und Aktivität minimiert sind, sollte der Blutdruck natürlich sinken (sogenanntes „Dipping“). Bleibt dieser nächtliche Abfall aus, kann das ein frühes Warnsignal für kardiovaskuläre Risiken sein, das tagsüber durch die Alltagsnoise oft übersehen wird.
Nighttime Breathing: Eine 30-Tage-Rolling-Ansicht von schlafbezogenen Atemmustern und Störungen erweitert die bisherigen nächtlichen Atemregularitätsdaten. Langzeittrends sollen so sichtbar gemacht werden, mit klaren Erklärungen, wann Atemveränderungen den Schlaf beeinträchtigen und eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.
Integration von KI und klinischen Daten
Oura geht strategische Partnerschaften ein, um den Ring tiefer in das Gesundheitssystem zu integrieren. Mit Counsel Health wird eine KI-gestützte, bedarfsgerechte Versorgung direkt in die Oura-App eingebunden. Zudem erlaubt die neue Funktion Health Records den Import klinischer Daten, was den Ring zu einem zentralen Hub für die eigene Gesundheitsakte macht.
Ein weiteres Feature, das den Zeitgeist trifft: GLP‑1 Insights. Angesichts der rasanten Verbreitung von GLP‑1-Rezeptor-Agonisten bietet Oura nun eine longitudinale Ansicht der Medikamentenreise. Nutzer können die physiologischen Veränderungen unter der Therapie (Schlaf, Herzfrequenz, Aktivität) direkt in der App tracken.
Preis und Verfügbarkeit
Der Oura Ring 5 kann ab sofort vorbestellt werden. Die Preise gestalten sich wie folgt:
- 399 $ für die Farben Schwarz und Silber
- 499 $ für Gold, Stealth, Brushed Silver und Deep Rose
Hinzu kommt das obligatorische Oura Membership-Abo für 5,99 $ pro Monat bzw. 69,99 $ pro Jahr. Ohne Abo ist der Ring funktional stark eingeschränkt. Dieses Abo-Modell bleibt ein kontroverser Punkt in der Wearable-Landschaft, da die Hardware-Kosten bereits hoch sind.
Einordnung: Die Apple Watch-Alternative?
Oura positioniert sich zunehmend als Alternative zur Apple Watch, insbesondere für Nutzer, die diskrete Gesundheitsüberwachung ohne Handgelenk-Display suchen. Die Vorteile liegen auf der Hand: unauffälliges Design, keine Ablenkung durch Benachrichtigungen, exzellente Schlafmessung und nun tiefere Einblicke in kardiovaskuläre und respiratorische Langzeitmuster.
Allerdings gibt es auch Limitierungen. Der Oura Ring bietet keine Echtzeit-Benachrichtigungen, kein EKG und keine absolute Blutdruckmessung. Zudem ist das Abo-Modell ein dauerhafter Kostenfaktor. Doch mit dem Ring 5 gelingt Oura ein entscheidender Schritt: Das Design-Hindernis ist weitgehend geräumt, und die neuen Health-Features heben den Smart Ring von einem Lifestyle-Gadget auf eine Ebene, die auch medizinisch interessierte Nutzer anspricht. Der Smart-Ring-Markt wächst rasant – und Oura bleibt mit dem Ring 5 an der Spitze.
Quelle: 9to5Mac