Nachdem Nothing mit den Headphone (1) bereits ein Flaggschiff auf den Markt brachte, das optisch zwar überzeugte, akustisch und beim ANC aber enttäuschte, folgt nun die leicht abgespeckte Variante: die Headphone (a). Ein ausführlicher Langzeittest über zwei Monate zeigt, wo die günstigere Alternative überzeugt und wo sich die Kompromisse zeigen.
Solider Klang, aber keine Spitzenklasse
Der wichtigste Aspekt bei Kopfhörern ist der Klang. Die Nothing Headphone (a) liefern hier einen soliden „Einheitsklang“, der keineswegs negativ gemeint ist. Besonders im Bassbereich können die Over-Ear-Kopfhörer punkten – ein klassischer Vorteil gegenüber In-Ears, da einfach mehr Volumen für eine räumliche Klangentfaltung zur Verfügung steht. Die Mitten sind ausgewogen, während in den Höhen leichte Abstriche gemacht werden müssen.
Interessant ist der Vergleich zum teureren Flaggschiff-Modell: Die Klangunterschiede zwischen den Headphone (1) und den Headphone (a) sind im Alltag marginal bis kaum hörbar. Egal ob Spotify, Netflix oder Audible – die (a) beweisen sich als verlässliche Alltagsbegleiter, auch wenn sie fernab der audiophilen Spitzenklasse agieren.
Das ANC: Ein Schwachpunkt
Wo die Konkurrenz von Apple, Sony und Bose längst Maßstäbe setzt, hinkt Nothing hinterher. Das Active Noise Cancelling (ANC) der Headphone (a) ist schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Nothing reduziert die Mikrofone im Vergleich zur (1) und gibt eine Lärmreduktion von 52 statt 56 Dezibel an – Laborwerte, die in der Praxis kaum eine Rolle spielen.
Fakt ist: Eine Geräuschunterdrückung ist vorhanden und im Flugzeug oder lauten Umgebungen besser als gar kein ANC. Dennoch liegt Nothing gefühlt zwei Jahre hinter der Konkurrenz. Selbst ältere Modelle wie die Bose QC35 oder günstigere Soundcore-Geräte bieten hier teilweise das bessere ANC. Wer auf absolute Ruhe angewiesen ist, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Bedienung und Komfort: Eine Wonne mit Ecken
Ein enormer Pluspunkt sind die physischen Bedienelemente. Wo andere Hersteller auf oft fummelige Touch-Steuerungen setzen, bietet Nothing echte Tasten, Wippen und eine Lautstärkewalze. Ein klassischer Schieberegler für die Stromversorgung und separate Knöpfe für Titelwechsel machen die Bedienung extrem intuitiv.
Der Tragekomfort ist auch für Brillenträger hervorragend, die Polster sitzen gut, nichts knarzt. Kritik gibt es jedoch bei der Mobilität: Die Kopfhörer lassen sich nicht zusammenfalten, was sie im Rucksatz sperrig macht. Auch das Tragen um den Hals ist unkomfortabel, da die Ohrmuscheln unpassend drücken. Ein Feature, das bei den (1) noch einseitig vorhanden war, fehlt bei den (a) komplett: die Trageerkennung. Im Alltag vermisst man sie jedoch kaum, da ein einfacher Knopfdruck oder das Aufsetzen in den Transparenzmodus schneller geht.
Ärgerlich bleibt die nicht-deaktivierbare Sprachausgabe bei Modi-Wechseln. Egal wie laut die Umgebung ist, die Ansagen dröhnen immer auf demselben Lautstärkeniveau ins Ohr.
Akku, Mikrofon und kleine Details
Die Akkulaufzeit ist exzellent. Nothing gibt 135 Stunden an (die (1) boten 80 Stunden) – ein Wert, der im Alltag locker ausreicht, um das Gerät über lange Trips hinweg nicht ans Ladekabel zu denken. Geladen wird per USB-C, ein 3,5-mm-Klinkenanschluss ist ebenfalls vorhanden.
Die Mikrofonqualität für Telefonate ist in ruhiger Umgebung völlig in Ordnung, bei Wind oder lauten Umgebungsgeräuschen bricht die Qualität jedoch schnell ein. Eine offizielle IP-Zertifizierung sucht man vergebens (mutmaßlich IP52), leichter Regen oder Schweiß sollten aber kein Problem darstellen. Wer auf die charakteristische Glyph-Beleuchtung von Nothing hofft, wird enttäuscht: An den (a) leuchtet nichts.
Fazit und Einordnung
Aus strategischer Sicht stellt sich die Frage, warum Nothing nicht die Headphone (a) zuerst auf den Markt gebracht hat. Sie bieten fast den gleichen Klang wie das teure Flaggschiff, eine weitaus bessere Akkulaufzeit und die hervorragende physische Bedienung. Das Aluminium-Gehäuse der (1) mag zwar wertiger anmuten, rechtfertigt aber den Aufpreis von fast 100 Euro kaum.
Die Nothing Headphone (a) sind solide Over-Ear-Kopfhörer. Bei einem Straßenpreis von rund 160 Euro sind sie jedoch etwa 50 bis 60 Euro zu teuer, um ein echter Preis-Leistungs-Tipp zu sein. Wären sie für 129 Euro auf den Markt gekommen, wären sie eine klare Empfehlung. So müssen Käufer Kompromisse beim ANC und der Faltbarkeit in Kauf nehmen, profitieren aber von einem starken Akku und einer der besten physischen Bedienungen am Markt.
Quelle: Technikfaultier