Der Markt für PC-Handhelds boomt, und MSI zieht nach einem durchwachsenen Start der ersten Generation nun mit einer überarbeiteten Version nach. Das MSI Claw 8 AI+ A2VM stellt nicht nur die Nomenklatur-Künste des Herstellers unter Beweis, sondern vor allem einen signifikanten Wechsel unter der Haube. Weg von AMDs Z1- oder Z2-Serie, hin zu Intels aktuellster Architektur.
Intel Lunar Lake als Hoffnungsträger
Das Herzstück des neuen Claw 8 ist der Intel Core Ultra 7 258V – ein Prozessor aus Intels aktueller Lunar Lake-Generation. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, da die erste Claw-Generation mit Intels erster Handheld-CPU deutlich mit Effizienz- und Treiberproblemen zu kämpfen hatte. Mit 32 GB RAM und einer 1 TB SSD ist das Gerät für die Zukunft gerüstet. Der Preis treibt jedoch in schwindelerregende Höhen: Die UVP lag bei Release bei rund 1.000 Euro, wobei der Straßenpreis mittlerweile leicht unter die 900-Euro-Marke rutscht. Für diesen Preis könnte man sich längst einen ordentlichen Desktop-PC zusammenbauen – doch genau darin liegt der Reiz der Handhelds: Sie ermöglichen PC-Gaming on the go, für Menschen, die zu Hause keine ungestörte Zeit am Schreibtisch finden.
Erster Eindruck: Gewicht und Farbwahl
Schon beim Auspacken offenbart sich ein ambivalentes Bild. Das Gerät wiegt knapp 800 Gramm und ist damit spürbar schwerer als die Konkurrenz von Valve oder ASUS. Auch die Farbwahl lässt Fragen offen: MSI setzt auf ein kupferfarbenes Finish, das im Unboxing-Video von Technikfaultier eher als „Rentnerfarbe“ tituliert wird – Geschmackssache hin oder her, mutig ist es durchaus. Positiv fallen hingegen die Anschlüsse auf: Zwei Thunderbolt-Ports bieten die für Windows-Geräte typische Flexibilität, hinzu kommen ein Micro-SD-Kartenslot und ein klassischer Kopfhöreranschluss.
Kritik am Detail: Netzteil und Zubehör
Bei einem Preis von annähernd 1.000 Euro erwartet man ein rundes Paket. Hier enttäuscht MSI jedoch. Anstatt ein universelles USB-C-Netzteil beizulegen, liegt ein 65-Watt-Netzteil mit fest verbautem Kabel bei. Ein Rückschritt in Sachen Flexibilität. Auch das Fehlen einer Schutzhülle (Case) schmerzt. Stattdessen muss der Käufer einen Pappständer selbst zusammenstecken – eine Lösung, die bei dieser Preisklasse eher peinlich ist. Hier hätten sich viele Nutzer einen kleinen MSI-Drachen-Standfuß oder zumindest eine simple Schutzhülle gewünscht.
Ergonomisch gibt es ebenfalls einen kleinen Wermutstropfen: Die Unterseite des Geräts ist komplett frei von Anschlüssen. Wer beim Zocken laden möchte, muss das Kabel zwingend von oben einführen, was je nach Haltung stören kann. Die Schulter- und Rückentasten sind vorhanden, bieten aber keine großen Überraschungen im Vergleich zur Konkurrenz.
Display, Software und ein leises Wunder
Das 8-Zoll-Display bietet mit 500 Nits ausreichend Helligkeit für Innenräume und löst das Problem der Vorgänger-Displays. Der verfügbare Speicherplatz von 837 GB im Auslieferungszustand ist angesichts der massiven Speicheranforderungen moderner Spiele (wie World of Warcraft oder Diablo 2 Resurrected) ein vernünftiger Startwert.
Interessant ist die Software-Erfahrung: Die MSI-eigene Software (MSI Center) bietet zwar die nötigen Einstellungen für Gamepad- und Desktop-Modus sowie Trigger-Kalibrierung, aber die Suche nach den entscheidenden Performance- und TDP-Reglern ist unnötig tief in den Menüs der „AI Engine“ versteckt. Wer die Lüftersteuerung manuell anpassen möchte, muss erst einmal suchen.
Die wohl größte Überraschung des ersten Eindrucks betrifft jedoch die Lüfter. Windows-Handhelds neigen dazu, sich im Leerlauf oder bei leichter Last wie kleine Staubsauger zu verhalten. Der Claw 8 AI+ bleibt im Test erstaunlich leise – fast schon verdächtig leise. Ob diese bewundernswerte Geräuschkulisse auch unter voller Last beim Zocken anspruchsvoller Titel bestehen bleibt, muss der Langzeittest zeigen.
Fazit
Das MSI Claw 8 AI+ A2VM ist ein Riesenversprechen. Mit Intels Lunar Lake stützt sich MSI auf eine Architektur, die bei der Energieeffizienz viel besser abschneiden muss als ihr Vorgänger, um gegen die AMD-Konkurrenz bestehen zu können. Die Hardware ist potent, das Display gelungen und die anfängliche Geräuschkulisse vielversprechend. Dennoch trüben das hohe Gewicht, das proprietäre Netzteil, fehlendes Zubehör und die kupferne Farbwahl das Gesamtbild. Für knapp 1.000 Euro muss MSI im finalen Review noch einige Beweise schuldig bleiben.
Quelle: Technikfaultier