Microsoft dreht erneut an der Preisschraube
Wer ein Microsoft-365-Abo besitzt, kennt das Spiel mittlerweile: Die Preise steigen, die Features werden hinter zusätzlichen Bezahlschranken versteckt, und am Ende gehört einem die Software trotzdem nicht. Wie Linux Guides DE in einem aktuellen Video aufzeigt, zahlen viele Nutzer inzwischen über 130 Euro pro Jahr für ein einfaches Office-Abo – wer die KI-Funktionen des Copilot ohne Einschränkungen nutzen will, landet schnell bei über 200 Euro jährlich. Mit der für Juli 2026 angekündigten Strukturreform bei Microsoft dürfte es noch teurer werden. Grund genug, sich ernsthaft mit den Alternativen zu beschäftigen.
OpenOffice ist tot – lang lebe LibreOffice
Ein weit verbreitetes Missverständnis hält sich hartnäckig: Viele setzen "kostenloses Office" noch immer mit OpenOffice gleich. Doch OpenOffice wird seit Jahren kaum noch gepflegt und stellt mittlerweile sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Die gesamte aktive Entwicklergemeinschaft ist längst zu LibreOffice gewechselt, das auf der gleichen Codebasis aufbaut, aber konsequent weiterentwickelt wird.
LibreOffice ist kostenlos, erfordert keine Anmeldung, kein Abo und keinen Cloud-Zwang. Es läuft auf Windows, macOS und Linux – bei den meisten Linux-Distributionen ist es sogar vorinstalliert. Der Download erfolgt direkt über die offizielle Website, ohne Newsletter-Pflicht oder versteckte Kosten.
Was LibreOffice 26.2 mitbringt
Die aktuelle Version 26.2 bringt einige spürbare Verbesserungen mit:
- Markdown-Support: Technisch versierte Nutzer können Dokumente jetzt direkt mit Markdown-Formatierung erstellen – ein Feature, das in vielen modernen Workflows längst Standard ist.
- Deutlich bessere Performance: Gerade bei großen Tabellen in Calc war LibreOffice früher spürbar langsamer als Excel. Die neue Version soll beim Öffnen umfangreicher Dateien erheblich schneller sein.
- Modernisierte Oberfläche: Über die sogenannte Notebook Bar lässt sich die Benutzeroberfläche so umstellen, dass sie der Ribbon-Ansicht von Microsoft Office ähnelt. Wer die klassische Menüstruktur bevorzugt, kann aber auch dabei bleiben.
Writer und Calc: Reicht das wirklich?
LibreOffice Writer, das Pendant zu Word, ist ein vollwertiges Textverarbeitungsprogramm. Formatvorlagen, automatische Inhaltsverzeichnisse, Literaturverwaltung über Zotero – funktional muss sich Writer nicht hinter Word verstecken. Es zwingt Nutzer sogar stärker dazu, sauber mit Vorlagen zu arbeiten, was langfristig zu besseren Dokumenten führt.
LibreOffice Calc bietet ebenfalls alles, was die meisten Nutzer von einer Tabellenkalkulation erwarten: SVerweis, Pivot-Tabellen, Diagramme – alles vorhanden. Calc ist bei der Eingabe etwas strenger als Excel und verzeiht weniger Syntaxfehler. Das mag anfangs ungewohnt sein, sorgt aber für sauberere Daten.
Der Elefant im Raum: Kompatibilität
Das größte Fragezeichen beim Umstieg bleibt die Kompatibilität mit Microsoft-Formaten. LibreOffice kann DOCX- und XLSX-Dateien öffnen und bearbeiten, aber bei komplexen Dokumenten mit speziellen Formatierungen, 3D-Effekten oder aufwendigen Textboxen kann es zu Verschiebungen kommen. Das liegt weniger an LibreOffice als an Microsofts Umgang mit offenen Standards.
Für schwierige Fälle gibt es Alternativen: OnlyOffice nutzt technisch einen Browser-Unterbau und stellt Microsoft-Dokumente nahezu identisch dar. SoftMaker Office – auch in einer kostenlosen Free-Variante erhältlich – hat sich ebenfalls auf hohe Microsoft-Kompatibilität spezialisiert. Beide können als Ergänzung zu LibreOffice dienen, wenn regelmäßig mit DOCX-Dateien gearbeitet werden muss.
Für Excel-Poweruser: NocoDB als moderne Alternative
Ein besonders interessanter Tipp aus dem Video betrifft Nutzer, die Excel als Quasi-Datenbank missbrauchen – etwa zur Lagerverwaltung mit VBA-Makros. Hier empfiehlt sich ein Blick auf NocoDB, ein Open-Source-Tool, das wie eine Tabelle aussieht, aber deutlich mehr kann: Verknüpfungen zwischen Tabellen, Bildupload, gleichzeitiges Arbeiten im Team und sogar ganze CRM-Systeme lassen sich damit aufbauen. Allerdings ist NocoDB eine Serveranwendung und nicht als klassisches Desktop-Programm verfügbar.
Einordnung: Für wen lohnt sich der Umstieg?
Der Umstieg auf LibreOffice ist 2026 realistischer denn je – aber er ist nicht für jeden gleich einfach. Wer hauptsächlich eigene Dokumente erstellt und nicht täglich komplexe DOCX-Dateien von Kollegen bearbeiten muss, kann den Wechsel praktisch ohne Einschränkungen vollziehen. Wer in einem stark Microsoft-geprägten Unternehmensumfeld arbeitet, sollte zumindest OnlyOffice oder SoftMaker als Brückenlösung in Betracht ziehen.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob LibreOffice "gut genug" ist – das ist es längst. Die Frage ist, wie tief man bereits im Microsoft-Ökosystem steckt und wie viel Aufwand man bereit ist, für die Unabhängigkeit zu investieren. Bei über 200 Euro pro Jahr, die sich in Zukunft weiter nach oben bewegen dürften, wird diese Rechnung für immer mehr Nutzer eindeutig.
Quelle: Linux Guides DE