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AMD Ryzen AI PRO 400G(E): Neue Desktop-APUs mit halbierter Grafikleistung

AMD enthüllt auf dem MWC 2026 sechs neue Ryzen AI PRO 400-Desktop-Chips. Trotz modernster Zen-5-Architektur enttäuschen die Business-APUs mit maximal nur 8 statt 16 Grafikeinheiten.

CA
Christopher Ackermann2. März 2026

Wie ComputerBase berichtet, hat AMD zum Mobile World Congress 2026 die lange erwartete Ryzen AI PRO 400 Series für Desktop-Systeme offiziell vorgestellt. Nachdem die Chips bereits zur CES 2026 nur angedeutet wurden, stehen nun die konkreten Spezifikationen fest – und die dürften vor allem Gaming-Enthusiasten enttäuschen. Die sechs neuen Modelle bringen zwar modernste Zen-5-CPU-Kerne und leistungsstarke NPUs mit 50 TOPS auf den Sockel AM5, verzichten aber auf die volle Grafikausstattung ihrer mobilen Geschwister.

Halbe Power: Nur 8 statt 16 Compute Units

Das größte Manko der neuen Desktop-APUs offenbart sich beim Blick auf die integrierte Grafikeinheit. Während die mobilen Strix-Point-Prozessoren der Ryzen AI 300-Serie mit bis zu 16 CUs und damit RDNA-3.5-Leistung in voller Pracht aufwarten können, müssen Desktop-Nutzer mit maximal 8 CUs vorlieb nehmen. Selbst das Topmodell Ryzen AI 7 PRO 450G bietet nur halb so viele Grafikeinheiten wie das Notebook-Pendant.

Noch bitterer wird dieser Vergleich, wenn man einen Blick auf den Vorgänger wirft: Die Ryzen 8000G-Serie aus dem Januar 2024 kam in der Spitze noch auf 12 CUs. AMD geht bei der Grafikleistung also nicht nur nicht vorwärts, sondern tatsächlich einen Schritt zurück. Die Ursache liegt in der Chip-Konfiguration: Die Desktop-APUs nutzen offenbar dieselben Dies wie die kompakten Notebook-Chips der 450er-Serie mit 4 × Zen-5- und 4 × Zen-5c-Kernen sowie nur 24 MB kombiniertem L2+L3-Cache.

Das Modellangebot im Detail

Die neue Serie gliedert sich in zwei TDP-Klassen. Die G-Modelle mit 65 Watt richten sich an Standard-Desktop-Systeme, während die GE-Varianten mit 35 Watt für besonders kompakte und energieeffiziente Rechner gedacht sind. Insgesamt bietet AMD drei Leistungsstufen an:

Ryzen AI 7 PRO 450G(E): Das Flaggschiff bietet 8 Kerne (4+4) und 8 CUs Grafik. Mit 50 TOPS NPU-Leistung ist der Chip für KI-Anwendungen gerüstet, bleibt aber bei der reinen CPU- und GPU-Leistung hinter den Erwartungen zurück.

Ryzen AI 5 PRO 440G(E): Die Mittelklasse reduziert auf 6 Kerne (3+3) und ebenfalls 8 CUs, dürfte damit aber das beliebteste Modell für Standard-Business-PCs werden.

Ryzen AI 3 PRO 435G(E): Der Einstieg mit 6 Kernen (2 Zen 5 + 4 Zen 5c) und nur noch 4 CUs Grafik richtet sich an besonders preisbewusste Unternehmenskunden.

Besonders positiv hervorzuheben ist dennoch, dass selbst die kleinsten Modelle die volle NPU mit 50 TOPS mitbringen. Für KI-gestützte Arbeitsabläufe in Unternehmen ist dies ein deutlicher Vorteil gegenüber reinen CPU-Lösungen.

Business-First statt Gaming-Fokus

Die Entscheidung, auf die volle Grafikausstattung zu verzichten, erscheint auf den ersten Blick paradox, lässt sich aber aus der Zielgruppe erklären. Mit der PRO-Serie adressiert AMD ausschließlich Geschäftskunden. Die Chips sind für Büroarbeitsplätze, Terminal-Server und Kompakt-PCs im Unternehmensumfeld konzipiert – nicht für Gaming-Enthusiasten.

Dieser Fokus wird auch durch die Begleitumstände deutlich: Über 200 Notebook-Designs werden zum Marktstart in Q2 2026 verfügbar sein, ergänzt durch Desktop-Lösungen von fünf großen Herstellern. Die parallele Einführung von mobilen und stationären Varianten unterstreicht AMDs Strategie, einheitliche Plattformen für IT-Abteilungen zu schaffen.

Die Frage, ob AMD auch nicht-PRO-Varianten mit voller 16-CU-Grafik für den Desktop bringt, bleibt offen. Angesichts der aktuellen Speicherpreise und der offensiven Positionierung gegenüber Intel im Gaming-Segment mit separaten Grafikkarten könnte der Hersteller solche Pläne vorerst auf Eis gelegt haben.

Fazit: Solide, aber nicht revolutionär

Die Ryzen AI PRO 400G(E)-Serie liefert ein solides Update für den Business-Desktop-Sektor. Die Zen-5-Architektur bringt deutliche CPU-Verbesserungen, und die integrierte NPU ermöglicht erstmals flächendeckende KI-Funktionen in Unternehmens-PCs. Wer jedoch auf eine APU mit echten Gaming-Fähigkeiten ohne separate Grafikkarte hoffte, wird enttäuscht. Mit maximal 8 CUs erreichen die neuen Chips bestenfalls Einsteiger-Niveau für Gelegenheitsspieler.

Für reine Büroanwendungen, Video-Konferenzen und leichte Multimedia-Aufgaben sind die Chips dennoch mehr als ausreichend. Der Marktstart im zweiten Quartal 2026 wird zeigen, ob die Hersteller die zusätzliche NPU-Leistung in sinnvolle Anwendungen für den Arbeitsalltag umsetzen können.

Quelle: ComputerBase

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