Wie ComputerBase berichtet, hat Qualcomm zum Mobile World Congress in Barcelona den Snapdragon Wear Elite vorgestellt. Die neue Plattform soll das bisherige Portfolio um den W5 Gen 2 und W5+ Gen 2 ablösen und markiert einen deutlichen Sprung in puncto Rechenleistung und KI-Fähigkeiten für Wearables. Doch anders als bei Smartphones und Notebooks steht das Label „Elite" hier nicht automatisch für die Verwendung der hauseigenen Oryon-Kerne.
Elite heißt nicht immer Oryon
Bei Qualcomm signalisierte das „Elite"-Branding bisher stets den Einsatz der selbst entwickelten Oryon-CPU-Architektur, bekannt aus den Snapdragon X Elite Chips für Windows-Laptops oder den Top-Smartphone-SoCs. Wie der Hersteller im Vorfeld des MWC jedoch erklärte, definiert sich das Prädikat künftig losgelöst von spezifischen CPU-Kernen als Bezeichnung für das jeweilige Spitzenmodell einer Kategorie.
Konkret setzt der Snapdragon Wear Elite daher auf einen Mix aus einem Cortex-A78 und vier Cortex-A55 Kernen – eine Kombination, die zwar deutlich über dem Vorgänger mit seinen vier Cortex-A53 liegt, aber eben keine Oryon-Technik nutzt. Trotzdem verspricht Qualcomm eine bis zu fünffache Steigerung der CPU-Leistung gegenüber dem W5 Gen 2. Die integrierte Adreno-GPU soll gar den siebenfachen Durchsatz der alten Adreno A702 erreichen.
KI direkt am Handgelenk
Der größte Fortschritt dürfte jedoch im Bereich der künstlichen Intelligenz liegen. Der bisherige Hexagon-DSP wird zu einer vollwertigen NPU aufgewertet und durch eine zusätzliche, besonders stromsparende eNPU ergänzt. Diese Dual-NPU-Architektur ermöglicht erstmals das Ausführen komplexer KI-Workloads direkt auf der Smartwatch, ohne Daten an ein gekoppeltes Smartphone oder die Cloud zu senden.
Laut Qualcomm kann die Haupt-NPU Modelle mit bis zu zwei Milliarden Parametern verarbeiten, wobei die erste Token-Ausgabe nach 0,2 Sekunden erfolgt und bis zu zehn Tokens pro Sekunde generiert werden können. Das reicht theoretisch für Small Language Models, Text-to-Speech-Anwendungen oder Computer-Vision-Aufgaben. Die kleinere eNPU übernimmt unterdessen permanente Hintergrundaufgaben wie die Erkennung von Schlüsselwörtern für Sprachassistenten, die Überwachung von Nutzeraktivitäten oder Audio-Processing wie Echokompensation und Rauschunterdrückung. Erst wenn komplexere Analysen nötig werden, schaltet sich die leistungshungrigere Haupt-NPU hinzu.
Unabhängigkeit durch moderne Konnektivität
Neben der Rechenleistung legt Qualcomm großen Wert auf umfassende Konnektivitätsoptionen. Der Chip unterstützt 5G RedCap (Reduced Capability), eine abgespeckte 5G-Variante für IoT-Geräte und Wearables, die weniger Bandbreite benötigt, dafür aber energieeffizienter und kostengünstiger ist als vollwertiges 5G. Besonders interessant für Outdoor-Sportler: NB-NTN (Narrowband Non-Terrestrial Networks) ermöglicht Satelliten-Konnektivität für Bereiche ohne klassischen Funkmasten.
Ergänzt wird das Paket durch Wi-Fi 6, Bluetooth 6.0, Ultra-Wideband (UWB) für präzises Tracking sowie mehrere GNSS-Systeme für die Ortung. Kombiniert mit der On-Device-KI könnten Smartwatches mit dem Wear Elite damit deutlich unabhängiger vom Smartphone agieren als bisherige Modelle.
3-nm-Fertigung für mehr Ausdauer
Qualcomm lässt den Snapdragon Wear Elite vermutlich bei TSMC im 3-nm-Verfahren fertigen – ein Sprung von Samsungs 4-nm-Produktion beim Vorgänger. Diese technologische Aktualisierung soll sich in einer 30-prozentigen Steigerung der Nutzungsdauer bei aktivem Bildschirm bemerkbar machen. Angesichts der höheren Rechenleistung und der permanent laufenden KI-Features ist diese Effizienzsteigerung essenziell, um nicht alle Fortschritte durch einen größeren Akkuhunger wieder zunichte zu machen.
Die Plattform unterstützt Android, Linux und Wear OS. Welche Hersteller die ersten Geräte mit dem neuen Chip auf den Markt bringen, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Angesichts des Fokus auf KI und Unabhängigkeit vom Smartphone dürften jedoch vor allem Premium-Smartwatches von Marken wie Samsung, Mobvoi oder Fossil auf den Snapdragon Wear Elite setzen, um mit der Apple Watch zu konkurrieren, die mit ihrer S-Serie Chips bereits seit Jahren auf leistungsstarke Wearable-Prozessoren setzt.
Quelle: ComputerBase