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Gigabyte auf der Computex: 3D-gedruckte Kühler, gedrehte Sockel und Server-Fokus

Gigabyte zeigt auf der Computex innovative Mainboards mit 3D-gedruckten Metallkühlern und um 90 Grad gedrehten CPU-Sockeln. Gleichzeitig verdeutlicht der Stand den strategischen Wandel hin zu Servern und KI-Workstations.

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Codekiste Redaktion4. Juni 2026

Auf der diesjährigen Computex zieht Gigabyte alle Register und demonstriert eindrucksvoll, wie sich ein traditioneller Mainboard- und Gehäusehersteller in Zeiten des KI-Booms neu erfindet. Der Messeauftritt ist gigantisch – verteilt über mehrere Räume und Stände – und spiegelt den tiefgreifenden Wandel der Branche wider. Während der klassische PC-Markt stagniert, setzt Gigabyte zunehmend auf Rechenzentren, KI-Workstations und modulare Serverlösungen. Dennoch vergisst das Unternehmen seine Wurzeln im Gaming- und Overclocking-Segment nicht und präsentiert dort echte Innovationen.

Mainboard-Innovationen: Gedrehte Sockel und 3D-gedrucktes Metall

Für Hardware-Enthusiasten und Overclocker sind die neuen Mainboards das absolute Highlight. Gigabyte wagte einen ungewöhnlichen Schritt und dreht den CPU-Sockel auf ausgewählten Boards um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn. Diese Orientierung platziert die RAM-Bänke am oberen Rand und die EPS-Stromanschlüsse direkt darunter. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die dicken Stromkabel können sauber nach oben aus dem Gehäuse geführt werden, ohne den Lüfter oder Kühler zu blockieren oder das innere Erscheinungsbild zu stören. Es sind genau diese durchdachten Details, die den Unterschied zwischen einem guten und einem herausragenden Design ausmachen.

Zudem setzt Gigabyte bei High-End-Boards auf 3D-gedruckte Metallkühler. Im Gegensatz zu herkömmlich gefrästen Aluminiumprofilen wird hier Aluminiumpulver schichtweise aufgetragen und mit einem Laser verschmolzen (Selective Laser Melting). Dieses Verfahren erlaubt eine deutlich komplexere Oberflächenstruktur, was die Kühlfläche massiv vergrößert und so die Thermik von Spannungswandlern (VRM) und M.2-SSDs verbessert. Noch spannender ist ein 3D-gedruckter Kupferkühler, der als Vapor Chamber fungiert – eine Konstruktion, die im geschlossenen Zustand durch 3D-Druck erst möglich wird. Begleitet werden diese Innovationen von einem völlig neuartigen VRM-Design, das statt separater Power Stages und Spulen auf eine integrierte Lösung setzt.

Für Freunde kompakter Builds gibt es zudem Micro-ATX-Boards mit „Stealth“-Design, bei denen sämtliche Anschlüsse auf der Rückseite verborgen sind – ein Trend, der saubere Kabelmanagement-Träume wahr werden lässt. Eine kleine, aber feine Hommage an die Overclocking-Szene: Auf einem Intel-Board wurde der klassische „Slow Mode“ in „Limp Mode“ umbenannt und mit einer Schildkröte symbolisiert.

Einstiegs-PCs, eGPUs und der Monitor-Traum

Mit dem Eagle 5 reagiert Gigabyte auf ein wachsendes Problem der Industrie: Das Verschwinden günstiger Einsteiger-PCs. Ausgestattet mit einem 8700F und einer RTX 5060 zielt das System darauf ab, den Zugang zum PC-Gaming wieder zu erleichtern. Da der Komponentenmarkt ohne Einsteiger-Systeme austrocknet, ist dieser Schritt nicht nur kundenfreundlich, sondern auch strategisch klug, um die eigene Peripherie am Laufen zu halten.

Im professionellen Umfeld punktet Gigabyte mit eGPU-Lösungen über Thunderbolt 5. Eine RTX 5060 oder gar eine RTX 5090 AI Box als potente Docking-Station für Laptops ist für Arbeitsumgebungen ein enormer Produktivitäts-Booster. Abgerundet wird das Portfolio durch neue OLED-Monitore – ein 27-Zoll-2K-Modell mit 200 Hz und ein 5K-Display (5120 x 2880) bei 220 Hz, das mit seiner Pixeldichte als absoluter Traum für Qualitätsverliebte gelten darf.

Design-Schiene: AR-Edition und Holzoptik

Abseits der reinen Leistung setzt Gigabyte stark auf Ästhetik. Die neue AR-Edition zieht sich durch Gehäuse, B850-Mainboards und RTX-5080-Grafikkarten und bringt einheitliche Designakzente ins System. Der eigentliche Hingucker ist jedoch die Holzedition. Von Gehäuse bis zur Grafikkarte ist alles in einer dunklen (und auch hellen) Holzoptik gehalten. Dies ist ein kluger Schachzug: Es spricht Nutzer an, die ihren Rechner dezenter im Wohnzimmer oder einem dunklen Studiengang platzieren möchten, ohne das typische „Gamer-Bling-Bling“.

Der große Wandel: KI und modulare Rechenzentren

Während die Consumer-Hardware fasziniert, offenbart der riesige Server-Stand auf der Messe, wo die eigentlichen Umsatzwachstumsfelder liegen. Gigabyte hat den KI-Hype nicht nur als Buzzword verstanden, sondern baut nun dedizierte AI-Top-Systeme. Beeindruckend sind Server-Racks voller wassergekühlter RTX Pro 6000 Karten, die in spezielle Terminals geschoben werden.

Noch visionärer wirkt die modulare Rechenzentrums-Lösung: Gigabyte bietet See-Fracht-Container an, die vorkonfiguriert mit Servern, Stromversorgung und Infrastruktur geliefert werden. Damit sollen Rechenzentren in Rekordzeit aufgebaut werden können. Besonders interessant ist dabei ein komplett geschlossenes Wasserkühlsystem für Server mit vier AMD-GPUs, riesigen Push-Pull-Radiatoren und einem integrierten Leak Detection System – eine technische Meisterleistung, die die Komplexität moderner KI-Infrastruktur verdeutlicht.

Fazit

Gigabytes Computex-Auftritt ist ein Spiegelbild der aktuellen Tech-Industrie. Das Unternehmen managt den Spagat zwischen der Pflege der enthusiastischen Community mit Innovationen wie 3D-gedruckten Kühlern und gedrehten Sockeln, und dem massiven Ausbau im hochprofitablen Enterprise- und KI-Sektor. Während die Consumer-Sparte mit cleveren Designs und bezahlbaren Einstiegs-PCs punktet, ist die Server-Abteilung längst zum zentralen Wachstumsmotor herangereift. Wer Gigabyte nur als Mainboard-Hersteller wahrnimmt, verpasst die Hälfte der Geschichte.

Quelle: der8auer

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