C
Tech

Defense Tech und Physical AI: Wohin sich der Venture Capital bewegt

Beim StrictlyVC in Los Angeles bündeln sich die aktuellen Trends der VC-Szene: Defense Tech, Physical AI und nachhaltiges Fundraising. Ein Blick auf den Wandel der Branche.

CR
Codekiste Redaktion4. Juni 2026

Am 18. Juni findet im Aerospace Corporation Campus in El Segundo das StrictlyVC Los Angeles statt. Was auf den ersten Blick wie eine weitere Branchen-Networking-Veranstaltung im Kalender der Tech-Szene aussieht, ist bei genauerem Hinweis ein präziser Seismograph für die aktuellen Verschiebungen im Venture Capital. Die Agenda spiegelt wider, wohin die Milliarden fließen: weg von reiner Software-as-a-Service, hin zu Deep Tech, Verteidigungstechnologie und der physischen Umsetzung von Künstlicher Intelligenz.

El Segundo: Das Epizentrum des Hard Tech-Booms

Die Wahl des Veranstaltungsortes ist kaum ein Zufall. El Segundo hat sich in den letzten Jahren von einer ruhigen Vorstadt zu einem der wichtigsten Hotspots für sogenanntes „Hard Tech“ in den USA entwickelt. In unmittelbarer Nähe zu SpaceX und einer dichten Ansammlung neuer Rüstungs- und Raumfahrtstartups bildet der Aerospace Corporation Campus den perfekten Nährboden für eine Veranstaltung, die sich mit den Konsequenzen von Autonomie, Fertigung und nationaler Sicherheit befasst.

Defense Tech: Der ethische Paradigmenwechsel des Silicon Valley

Den Auftakt des Abends bildet Ethan Thornton, Gründer von Mach Industries. Seine Session „Built for a New Era of Defense Technology“ trifft den Nerv der Zeit. Noch vor wenigen Jahren galt das Engagement in Rüstungstechnologien in weiten Teilen der Startup-Welt als absoluter Tabubruch – man erinnere sich an die massiven Mitarbeiterproteste bei Google gegen das Projekt Maven. Heute hat ein geopolitischer Realismus eingesetzt. Gelder fließen massiv in Verteidigung, Autonomie und Hard Tech.

Thorntons Fokus auf Geschwindigkeit in der Fertigung und Autonomie zeigt auf, dass die moderne Defense-Tech-Branche nicht mehr von schwerfälligen Mega-Konzernen dominiert wird, sondern von agilen Startups, die Silicon-Valley-Methoden auf die Waffenentwicklung übertragen. Kritisch betrachtet stellt sich jedoch die Frage, ob diese Entwicklung langfristig zu einer sichereren Welt führt oder lediglich eine neue Rüstungsspirale im Tech-Sektor befeuert – eine Debatte, die auf solchen Veranstaltungen oft untergeht, wenn der Fokus auf Skalierung liegt.

Physical AI: Wenn Algorithmen die reale Welt erobern

Der zweite Block des Abends verspricht ebenso aufschlussreich zu sein: Delian Asparouhov von Founders Fund und Saif Khawaja von Shinkei Systems beleuchten den Aufstieg der „Physical AI“. Nachdem das Hype-Thema der letzten Jahre primär in generativer KI für Text- und Bildgenerierung bestand (Software, die auf Bildschirmen lebt), zeichnet sich nun ein Shift ab.

Physical AI beschreibt die Verschmelzung von Robotik, Automatisierung und KI, um die physische Welt zu transformieren. Es geht nicht mehr nur darum, einen Chatbot zu trainieren, sondern einem Roboter beizubringen, in unstrukturierten Umgebungen zu navigieren oder Produktionsprozesse autonom zu steuern. Founders Fund hat sich traditionell als Investor für hochambitionierte, physische Technologien positioniert. Die Diskussion mit Khawaja, dessen Firma Shinkei sich mit komplexen Systemen beschäftigt, wird zeigen, wie hoch die eigentlichen Hürden bei der Skalierung solcher Durchbruchstechnologien jenseits von reinem Software-Code sind.

Fundraising jenseits des Hypes: Das Signal vom Rauschen trennen

Abgerundet wird das Programm von Carter Reum, Mitgründer und Partner bei M13. Seine Session „Finding the Next Big Thing“ adressiert ein massives Problem der aktuellen VC-Landschaft: die KI-Müdigkeit bei gleichzeitiger KI-Abhängigkeit. In einer Zeit, in der fast jedes Pitch-Deck den Begriff „AI“ trägt, wird es für Investoren zunehmend schwieriger, nachhaltige Geschäftsmodelle von kurzfristigen Hype-Treibern zu unterscheiden.

Reums Fokus auf „long-term durability“ ist ein Plädoyer für eine Rückbesinnung auf fundamentale Werte im Venture Capital. Die Frage ist nicht mehr nur, welches Startup die beeindruckendste Demo hat, sondern welches Unternehmen einen echten Burggraben (Moat) aufbaut, wenn die Kosten für KI-Infrastruktur sinken und Modelle zunehmend zur Commodity werden. Wie VCs in diesem Umfeld agieren und welche neuen Kategorien dabei entstehen, wird eine der zentralen Fragen für die Finanzierungsrunden des kommenden Jahres.

Fazit: Die Branche wird physisch

StrictlyVC Los Angeles ist mehr als ein Treffen von Investoren und Gründern; es ist ein Spiegelbild einer Branche im Umbruch. Die Tech-Welt verabschiedet sich von der Illusion, dass reine Software alle Probleme der Welt löst. Die nächsten großen Herausforderungen – sei es in der Verteidigung, der Fertigung oder der Infrastruktur – erfordern Kapital, das bereit ist, in die physische Realität einzusteigen. Für Beobachter der Szene ist das Event am 18. Juni ein klares Signal: Die Zukunft des Venture Capitals wird hart, physisch und geopolitisch aufgeladen sein.

Quelle: TechCrunch

QUELLEN
TechCrunch AI
Pro-Feature

Melde dich an und werde Pro-Mitglied, um dieses Feature zu nutzen.

Anmelden
CR
Codekiste Redaktion

Automatisierte Content-Kuratierung für tech-news.

Kommentare

WEITERLESEN
Tech

Computex 2024: Wenn der KI-Hype den Consumer-PC frisst

Tech

Lüfterlose Kühlung: Ventivas ionisches Kühlsystem könnte Laptops revolutionieren

Tech

Meta startet Instagram Plus: Diese 11 Features bietet das Abo