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Gaming-Stuhl oder Militär-Simulator: Das absurde Cluven M2HB Cockpit

Über 270 Kilo Stahl, bewegliche Browning-MGs und keine Bedienungsanleitung: Linus Tech Tips baut das verrückteste Gaming-Cockpit der Welt – und zweifelt an der Ergonomie.

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Codekiste Redaktion30. April 2026

Gaming-Stühle sind in der Regel ziemlich vorhersehbar: Stahlrohrrahmen, etwas PU-Leder, auffällige Racing-Streifen und ein Kissen für die Lendenwirbelsäule. Doch der Hersteller Cluven hat offensichtlich beschlossen, dass dieser Markt dringend eine militärische Aufrüstung braucht. Nach dem bereits absurden Scorpion-Stuhl hat das Unternehmen nun das M2HB 50 cal BMG Ultimate Gaming Cockpit auf den Markt gebracht – ein Monstrum aus Stahl, das eher an einen Schützenpanzer als an einen Schreibtischstuhl erinnert. Das Team von Linus Tech Tips hat sich an den Aufbau gewagt und dabei Grenzen sowohl der Physik als auch des gesunden Menschenverstands ausgelotet.

270 Kilo Stahl und ein Paket voller Probleme

Schon beim Auspacken wird klar: Hier geht es um maximalen Overkill. Das M2HB Cockpit wiegt ohne angeschlossene Monitore und PC gut 600 Pfund (rund 272 Kilo). Die Konstruktion ist fast vollständig aus Stahl gefertigt, was den Aufbau zu einem echten Kraftakt macht. Das Team von Linus Tech Tips brauchte mehrere Personen, um das Gerät überhaupt von der Palette zu heben.

Doch das Gewicht ist nur das erste Problem. Der Aufbau selbst entpuppt sich als Albtraum. Cluven liefert keine vernünftige gedruckte Anleitung mit. Ein Online-Manual entpuppt sich als reines Marketing-Video ohne echten Schritt-für-Schritt-Komfort. Die Folge: Die Zuordnung der zahlreichen Stahlteile und Schrauben wird zu einem frustrierenden Puzzlespiel. Die Bohrungen sind oft fehlausgerichtet, Schrauben passen nicht in ihre Löcher und an einigen Stellen ist es schlichtweg unmöglich, mit Werkzeug an die Gewinde zu gelangen. Die humorvollen Rufe nach „etwas Schmiermittel“ machen deutlich, wie weit die Praxis von der theoretischen Konstruktion entfernt ist.

Requisiten oder echte Waffen?

Das absolute Highlight – und gleichzeitig der Grund, warum der Stuhl fast an der Grenze beschlagnamt wurde, wie der Videotitel andeutet – sind die beiden integrierten Browning M2 .50 cal Maschinengewehre. Diese Prop-Waffen sind erstaunlich detailliert und schwer. Sie verfügen über bewegliche Teile und einen Ladehebel-Mechanismus, der extrem befriedigend zu bedienen ist. Allerdings offenbart das Design hier massive Sicherheitsmängel. Die Mechanik des Ladehebels ist so konstruiert, dass sie bei unvorsichtiger Bedienung Finger einquetschen oder sogar abtrennen könnte. Zudem sind die Gewehre extrem schwer und nur mühsam an der Stuhlkonstruktion zu befestigen. Wenn sie nicht perfekt justiert sind, hängen sie schief – was bei einem Preis von rund 4.200 bis 4.800 US-Dollar (je nach Waffen-Option) kein gutes Licht auf die Verarbeitungsqualität wirft.

Technik-Integration: Von HDMI bis zur „sketchy“ Power Bar

Als Gaming-Cockpit muss das M2HB natürlich auch Bildschirme und Peripherie aufnehmen. Die integrierte Kabelführung ist überraschend durchdacht und bietet Anschlüsse für bis zu fünf Monitore (3x HDMI, 2x DisplayPort). Auch Surround-Lautsprecher und LED-Beleuchtung sind verbaut, wobei die LEDs leider nur in Weiß und von eher minderer Qualität sind.

Besonders alarmierend ist jedoch die interne Stromversorgung. Das Cluven-Cockpit enthält eine namenlose, unmarkierte Power Bar (Verteilersteckdose) mit internationalen Steckdosen, die definitiv keinen gängigen Sicherheitsnormen entspricht. Wenn man bedenkt, dass hier mehrere Monitore, ein High-End-PC und die Motorik des Stuhls an einem Strang hängen, ist das ein erhebliches Brandrisiko, das bei einem Produkt in dieser Preisklasse absolut inakzeptabel ist.

Ergonomie geht anders

Wenn man das Monumental-Werk schließlich zusammengebaut hat, stellt sich die entscheidende Frage: Lässt sich darauf eigentlich spielen? Die Antwort ist ein klares Jein. Die Motorik des Stuhls erlaubt es, die Position der Monitore und der Waffen hydraulisch zu verstellen. Leider sind die Motoren extrem langsam, die Bewegungen enden oft mit bedenklichen Knirschgeräuschen, und es gibt keine Speicher-Funktion (Presets) für Lieblingspositionen. Auch eine optionale Sprachsteuerung wirkt angesichts der ohnehin wackeligen Software-Integration eher wie ein Gag.

Die eigentliche Sitzgeometrie ist das größte Manko. Der Stuhl nutzt PU-Leder und einen High-Density-Schwamm, der zwar stützt, aber schnell zu hart wird. Die Lendenwirbel-Unterstützung (Lumbar Support) ist laut dem Testteam völlig unzureichend. Ein Mitarbeiter, der den Vorgänger-Stuhl einen Monat lang testen sollte, gab bereits nach einer Woche wegen Rückenschmerzen auf. Zudem ist das Ein- und Aussteigen aufgrund der tiefen Position und der über dem Kopf montierten Waffen und Monitore ein akrobatischer Akt. Die Munitionskästen, die als Stauraum für Snacks dienen, sind eine nette Idee, rutschen aber bei jeder Bewegung des Stuhls herunter.

Fazit: Form schlägt Funktion – mit Abstrichen

Das Cluven M2HB 50 cal BMG Ultimate Gaming Cockpit ist das Paradebeispiel für ein Produkt, bei dem das Design völlig ungebremst über die Funktion gesiegt hat. Es sieht von vorne unglaublich cool aus – wer möchte nicht in einem aus einem Panzer ausgelagerten Cockpit Zocken? Doch die Realität der fehlenden Dokumentation, der mangelhaften Sicherheitsstandards bei der Elektrik und Mechanik sowie der katastrophalen Ergonomie trüben den Spaß erheblich.

Für rund 4.800 Dollar bekommt man ein beeindruckendes Show-Stück, das eher in einem Museum für absurde Gaming-Hardware stehen sollte, als in einem Wohnzimmer. Wer seinen Rücken schätzt und gerne bequeme Einstiege in seinen Stuhl hat, sollte die Finger davon lassen. Wer aber immer schon mal einen Schützenpanzer in sein Wohnzimmer stellen wollte und ein Team von drei starken Helfern für den Aufbau hat, könnte hier sein Glück finden – vorausgesetzt, die Zollbehörde lässt das Paket überhaupt durch.

Quelle: Linus Tech Tips

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YouTube: Linus Tech Tips
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