Von Yandex zum Unicorn: ClickHouse' rasanter Aufstieg
Der Markt für Tech-IPOs erwacht aus seinem Dornröschenschlaf, und ClickHouse positioniert sich frühzeitig in den Startlöchern. Das Datenbankunternehmen, das erst 2021 aus dem russischen Suchgiganten Yandex herausgelöst wurde, vermeldet beeindruckende Zahlen: Die annualisierten Einnahmen (Annualized Revenue Run Rate, ARR) haben sich im Vergleich zum Vorjahr auf 250 Millionen Dollar verdreifacht. Yury Izrailevsky, Mitgründer und President of Product & Technology, geht davon aus, dass diese Zahl bis Jahresende in den hohen dreistelligen Millionenbereich klettern wird.
Diese Wachstumsdynamik ist kein Zufall, sondern das Resultat einer klugen Positionierung im Zentrum des aktuellen KI-Booms. ClickHouse hat sich als Open-Source-Datenbank für OLAP (Online Analytical Processing) etabliert – maßgeschneidert für die Verarbeitung massiver Datenmengen, die für KI-Agenten und große Sprachmodelle unerlässlich sind. Zu den über 4.000 Kunden zählen Schwergewichte wie Meta, Capital One und ausgerechnet der KI-Rivale Anthropic.
Ein multiples Risiko?
Im Januar dieses Jahres sicherte sich ClickHouse in einer von Dragoneer Investment Group geführten Series-D-Runde 400 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 4 Milliarden Dollar – warten, nein: 15 Milliarden Dollar. Diese Bewertung impliziert ein Forward Multiple von über 60x ARR. Ein Wert, der bei traditionellen Softwareunternehmen für Stirnrunzeln sorgen würde, im aktuellen KI-Hype jedoch als Premium für exponentielles Wachstum durchgeht.
Zum Vergleich: Snowflake, der größte Konkurrent von ClickHouse, notierte bei seinem Börsengang 2020 mit einem ähnlich absurden Multiple – und kämpft seitdem damit, die Erwartungen der Wall Street zu erfüllen. Die Frage ist, ob ClickHouse das Wachstum einlösen kann oder ob die 15-Milliarden-Bewertung ein Luftschloss auf Basis von KI-Euphorie darstellt.
Der IPO-Plan und der Snowflake-Konnektor
Dass es mit dem Börsengang ernst wird, zeigt eine personalelle Entscheidung aus dem letzten Herbst: Jimmy Sexton wechselte als neuer CFO zu ClickHouse. Zuvor leitete er die Investor Relations bei – man ahnt es – Snowflake. Die Einstellung eines erfahrenen CFOs mit Börsenerfahrung gilt in der Startup-Welt als verlässliches Indiz für anstehende IPO-Vorbereitungen.
Izrailevsky bestätigte diese Ambitionen indirekt und sieht sein Unternehmen auf einer Liste von Startups, die auf den IPO-Zug aufspringen wollen. Der Markt erwartet, dass das IPO-Fenster nach dem historischen Debüt von SpaceX im Juni sowie den hochantizipierten Börsengängen von OpenAI und Anthropic später in diesem Jahr weit aufgestoßen wird.
Die Open-Source-Falle und die Cloud-Strategie
Interessant ist das Geschäftsmodell von ClickHouse. Die Technologie ist Open-Source, die Einnahmen generiert das Unternehmen jedoch über Managed Cloud Services. Izrailevsky behauptet gar, dass das kommerzielle Cloud-Angebot für Kunden am Ende günstiger sei als der Selbstbetrieb der Open-Source-Lösung. Das klingt kontraintuitiv, ist aber ein bekanntes Muster: Die operativen Kosten für Infrastruktur, Skalierung und Personal beim Self-Hosting übersteigen die Cloud-Gebühren oft bei weitem. Es ist ein geschickter Schachzug, denn er entkräftet das Argument der hohen Cloud-Kosten und bindet Nutzer an das eigene Ökosystem.
Akquisitionen als Wachstumsmotor
Um dieses Ökosystem weiter auszubauen, kauft sich ClickHouse aktuell durch die Startup-Landschaft. Sechs Übernahmen wurden bereits getätigt, darunter Langfuse, ein Tool zur Überwachung und Evaluierung von KI-Agenten. Izrailevsky kündigte an, weiter akquisitiv zu bleiben. Das Ziel: junge, vielversprechende Open-Source-Startups, deren Technologie das Kernprodukt ergänzt. Diese Strategie erinnert an die frühen Tage von Datenbank-Giganten wie MongoDB, die durch gezielte Käufe ihr Portfolio um wichtige Entwickler-Tools erweiterten.
Fazin: Reif für die Börse?
ClickHouse hat in weniger als fünf Jahren eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Die Wurzeln in der Yandex-Ära haben eine technologisch ausgereifte Datenbank hervorgebracht, die nun perfekt zum KI-Zeitalter passt. Mit einem ARR von 250 Millionen Dollar, einem erfahrenen CFO und einer klaren Akquisitionsstrategie sind die Weichen für den IPO gestellt.
Allerdings hängt der Erfolg nicht zuletzt davon ab, ob die 60-fache Bewertung auf dem ARR vom Markt getragen wird, wenn das KI-Hype-Abkühlen einsetzt. Wenn ClickHouse beweisen kann, dass die Cloud-Strategie tatsächlich günstiger als Self-Hosting ist und die Akquisitionen nahtlos integriert werden, steht dem nächsten großen Tech-IPO nichts im Wege.
Quelle: TechCrunch AI