Fertig-PCs im Elektronikmarkt: Ein Undercover-Experiment
Der Kauf eines fertigen Gaming-PCs im großen Elektronikmarkt ist für viele Konsumenten noch immer die bequemste Lösung. Keine Kompatibilitätsprobleme, kein Zusammenbau, einfach auspacken und loszocken. Doch wie gut ist die Beratung wirklich, und was bekommt man für sein Geld? Der YouTuber HardwareDealz hat genau das in einem Undercover-Experiment getestet, getarnt als ahnungsloser Käufer mit einem Budget von 1000 € und dem Wunsch, Fortnite und aktuelle Story-Spiele in Full HD zu spielen.
Das Ergebnis wirft ein bezeichnendes Licht auf die Beratungsqualität und die Preisgestaltung von Fertig-PCs im stationären Handel.
Die Ausgangslage und der Kauf
Mit einem Budget von 1000 € und der Vorgabe für Full HD Gaming bewaffnet, betrat der Tester die Filiale. Die Beratung durch das Vertriebspersonal fiel laut eigenem Bekunden eher dürftig aus. Anstatt dem Kunden ein passendes Gerät innerhalb des Budgets zu verkaufen oder über die Vor- und Nachteile bestimmter Konfigurationen aufzuklären, wurde der PC für 1399 € gekauft – ein deutliches Überschreiten der eigentlichen Preisgrenze.
Die Hardware-Analyse: Gute GPU, fataler RAM-Flaw
Werfen wir einen Blick auf die inneren Werte des gekauften Geräts. Angetrieben wird der Rechner von einem AMD Ryzen 7 8700F, einem soliden Prozessor, der für Full HD Gaming mehr als ausreichend Power mitbringt. Als Grafikkarte kommt eine RTX 4060 zum Einsatz (im Video fälschlicherweise als RTX 5060 bezeichnet, was auf einen Slip of the Tongue oder eine Verwechslung hindeutet, da die 50er-Serie noch nicht auf dem Markt ist). Für 1080p Gaming ist diese Kombination absolut empfehlenswert.
Doch dann kommt der große Haken: Der Arbeitsspeicher. Der PC ist mit nur einem 16-GB-RAM-Modul bestückt – ein sogenannter Single-Channel Betrieb. Zudem handelt es sich um eine No-Name-Marke, die hierzulande kaum jemand kennt.
Warum ist das so problematisch? Moderne Prozessoren und Grafikkarten profitieren massiv von der verdoppelten Speicherbandbreite, die Dual-Channel RAM bietet. Besonders bei der 1% Low-Performance – also den minimalen Framerates in anspruchsvollen Szenen – kann Single-Channel RAM zu spürbaren Rucklern führen. Dass Hersteller hier aus Kostengründen auf ein einzelnes Modul setzen, anstatt zwei 8-GB-Module zu verbauen, ist ein klassischer, aber unverzeihlicher Sündenfall im Fertig-PC-Markt. Der durchschnittliche Käufer sieht „16 GB RAM“ auf dem Datenblatt und ahnt nichts von der Performance-Bremse im Inneren.
Der Preis: 500 € Aufpreis für den Zusammenbau
Lässt man den reinen Hardware-Wert Revue passieren, ergibt sich ein klares Bild. Die Einzelteile des PCs summieren sich auf einen Marktwert von etwa 800 bis 900 Euro. Der Verkaufspreis von 1399 Euro bedeutet einen Aufschlag von rund 500 Euro.
Natürlich muss man bei einem Fertig-PC den Zusammenbau, die Garantieabwicklung, die Logistik und die Marge des Händlers einkalkulieren. Ein gewisser Aufpreis gegenüber dem DIY-Bau ist völlig legitim. Doch 500 Euro – also fast 60 Prozent Aufschlag auf den reinen Hardware-Wert – sind selbst für Fertig-PC-Verhältnisse sportlich. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Speicherbestückung ein massives Performance-Flaschenhals ist und die Beratung vor Ort offensichtlich nicht verhindern konnte, dass der Kunde fast 400 Euro über seinem eigentlichen Budget einkauft.
Fazit: Besser selbst bauen oder gezielt konfigurieren
Das Experiment von HardwareDealz bestätigt, was versierte PC-Spieler schon lange vermuten: Der Kauf eines Fertig-PCs im Elektronikmarkt um die Ecke ist oft ein teures Glücksspiel. Zwar ist die verbaute Hardware grundsätzlich in der Lage, aktuelle Titel in Full HD flüssig darzustellen, doch der Single-Channel RAM verhindert, dass das System sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Der enorme Aufpreis und die mangelhafte Beratung runden das negative Bild ab.
Wer nicht selbst zur Schraubenzieher greifen möchte, sollte zumindest Online-Konfiguratoren nutzen, bei denen man die Speicherbestückung (zwingend Dual-Channel) selbst festlegen kann. So lässt sich viel Geld sparen und Performance verschwenden vermeiden.
Quelle: HardwareDealz