Wenn der Smart TV nervt: Streaming-Sticks als Rettung
Wer kennt es nicht: Der Smart TV braucht ewig zum Hochfahren, die Oberfläche ruckelt, und ständig funktioniert irgendetwas nicht. Genau dieses Szenario nimmt c't 3003 in einem neuen Video zum Anlass, die gängigsten Streaming-Devices miteinander zu vergleichen – und auch eine Open-Source-Alternative auf dem Raspberry Pi auszuprobieren. Die zentrale Frage: Muss es ein kommerzielles Gerät von Amazon, Google oder Apple sein, oder reicht ein selbst gebasteltes Setup?
Amazon Fire TV: Günstig, aber mit Werbeflut
Amazon bietet gleich fünf verschiedene Fire TV Sticks an, was die Auswahl nicht gerade erleichtert. Die Preisspanne reicht von rund 45 bis 80 Euro. Der günstigste 4K-fähige Stick, der Fire TV Stick 4K Select, kostet regulär 55 Euro und ist im Angebot teils für gut 30 Euro zu haben.
Allerdings gibt es Einschränkungen: Der Select unterstützt kein Dolby Vision, sondern nur HDR10+, und funkt lediglich per Wi-Fi 5. Besonders kurios im Jahr 2025: Die Stromversorgung erfolgt noch über Micro-USB. Zudem läuft auf dem Select seit Kurzem nicht mehr das bekannte Fire OS, sondern Amazons neues Vega OS, das unter anderem kein Sideloading mehr erlaubt und bei manchen Apps wie Plex oder Jellyfin Probleme bereitet.
Der größte Kritikpunkt betrifft jedoch alle Fire TV Geräte gleichermaßen: Die Oberfläche ist regelrecht zugemüllt mit Werbung und gesponserten Inhalten. Abschalten lässt sich das nicht. Wer damit leben kann, bekommt mit dem Fire TV Stick 4K Max (ca. 80 Euro) ein deutlich flüssigeres Erlebnis dank 2 GB RAM und Fire OS.
Google Streamer 4K: Der ausgewogene Mittelweg
Der Google Streamer 4K, Nachfolger des Chromecast, kostet rund 80 Euro und macht vieles besser. Mit einem Quad-Core-Prozessor, 4 GB RAM und 32 GB Speicher bietet er solide Hardware. Die Oberfläche basiert auf Google TV (Android TV 14) und fühlt sich spürbar flüssiger und aufgeräumter an als Amazons Pendant.
Auch hier gibt es standardmäßig Werbung in Form von Empfehlungen auf der Startseite. Der entscheidende Unterschied: Im sogenannten "Nur Apps"-Modus lässt sich der Großteil davon abschalten. Ganz werbefrei wird es zwar nicht, aber deutlich angenehmer. Hinzu kommt die Unterstützung für Thread und Matter, was das Gerät als Smart-Home-Hub interessant macht. Insgesamt hinterlässt der Google Streamer im Vergleich den besten Eindruck im Verhältnis von Preis und Leistung.
Apple TV 4K: Premium mit Ökosystem-Bindung
Mit mindestens 170 Euro ist der Apple TV 4K der mit Abstand teuerste Kandidat. Dafür bekommt man einen A15 Bionic Chip, eine hochwertige Fernbedienung mit Touchgesten und die gewohnt aufgeräumte Apple-Oberfläche. Performance und Verarbeitungsqualität sind erstklassig.
Der wahre Mehrwert entfaltet sich allerdings erst im Apple-Ökosystem: AirPods koppeln sich nahtlos, das iPhone dient als Kamera für FaceTime, und Siri steuert das Smart Home. Wer nicht bereits Apple-Nutzer ist, zahlt hier einen hohen Aufpreis für Funktionen, die er möglicherweise gar nicht nutzt.
Raspberry Pi als DIY-Alternative: Spannend, aber mit dicken Haken
Besonders interessant ist der Versuch, mit einem Raspberry Pi 4 und Open-Source-Software ein eigenes Streaming-Gerät zu bauen. Zwei Ansätze wurden getestet: LibreELEC mit Kodi und eine modifizierte Android-TV-Version auf Basis von LineageOS.
Kodi auf LibreELEC lässt sich schnell einrichten und eignet sich gut zum Abspielen lokaler Medien. Allerdings wirkt die Oberfläche veraltet, und Apps wie YouTube oder Twitch bieten nur eine rudimentäre Ordnerstruktur statt einer modernen Benutzeroberfläche. Für YouTube muss man sich sogar erst einen eigenen API-Key bei Google erstellen.
LineageOS für Android TV sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus – die Oberfläche gleicht tatsächlich Google TV. Das große Problem ist jedoch Widevine, Googles DRM-System: Auf nicht offiziell lizenzierter Hardware läuft nur die niedrigste Sicherheitsstufe L3. Das bedeutet, dass Streaming-Dienste wie Netflix oder Disney+ maximal in 480p wiedergeben – im Jahr 2025 schlicht inakzeptabel. Zudem lief das System auf dem Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM extrem zäh.
Fazit: Open Source ist noch nicht bereit für den Fernseher
Die DIY-Route auf dem Raspberry Pi ist ein spannendes Bastelprojekt, aber als vollwertiger Smart-TV-Ersatz derzeit nicht geeignet. Die DRM-Einschränkungen machen kommerzielle Streaming-Dienste praktisch unbenutzbar, und die Performance lässt zu wünschen übrig.
Für die meisten Nutzer dürfte der Google Streamer 4K das beste Gesamtpaket bieten: solide Hardware, eine aufgeräumte Oberfläche, weitgehend abschaltbare Werbung und ein fairer Preis. Der Apple TV lohnt sich primär für Nutzer, die bereits tief im Apple-Ökosystem stecken. Und die Amazon Fire TV Sticks sind zwar günstig, erkaufen sich den niedrigen Preis aber mit aggressiver Werbung und einem teils verwirrenden Produktportfolio.
Wer auf Open Source setzt, sollte die Entwicklung im Auge behalten – insbesondere die x86-Variante von Android TV und künftige Raspberry-Pi-Generationen könnten die Situation verbessern. Bis dahin führt an kommerziellen Streaming-Sticks kein Weg vorbei.
Quelle: c't 3003