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Streaming-Devices im Vergleich: Fire TV, Google Streamer, Apple TV und Raspberry Pi

Welches Streaming-Gerät lohnt sich wirklich? c't 3003 vergleicht kommerzielle Sticks mit einer Open-Source-Lösung auf dem Raspberry Pi – mit überraschendem Ergebnis.

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Christopher Ackermann21. Februar 2026

Wenn der Smart TV nervt: Externe Streaming-Geräte als Rettung

Wer kennt es nicht: Der Smart TV braucht ewig zum Hochfahren, die Oberfläche ruckelt und irgendwas funktioniert immer nicht. Statt gleich einen neuen Fernseher zu kaufen, versprechen externe Streaming-Devices Abhilfe. In einem aktuellen Video hat c't 3003 die wichtigsten Geräte von Amazon, Google und Apple verglichen – und zusätzlich geprüft, ob sich mit einem Raspberry Pi und Open-Source-Software eine brauchbare Alternative bauen lässt.

Amazon Fire TV: Günstig, aber voller Werbung

Amazon bietet gleich fünf verschiedene Fire-TV-Sticks an, was die Auswahl nicht gerade erleichtert. Der günstigste 4K-fähige Stick, der Fire TV Stick 4K Select, ist bereits ab rund 55 Euro (im Angebot teils ab 31 Euro) zu haben. Allerdings muss man hier Abstriche machen: kein Dolby Vision, nur Wi-Fi 5 und – im Jahr 2026 kaum zu glauben – ein Micro-USB-Anschluss für die Stromversorgung.

Besonders auffällig ist die aggressive Werbestrategie: Die Startseite ist vollgestopft mit gesponserten Inhalten und Empfehlungen, die sich nicht deaktivieren lassen. Das dürfte ein Grund für den niedrigen Preis sein – Amazon refinanziert die Hardware offensichtlich über Werbeeinnahmen. Ein weiteres Kuriosum: Der Select-Stick läuft mit dem neuen Vega OS statt dem bewährten Fire OS. Dabei fehlen manche Apps wie Jellyfin, und Sideloading ist nicht mehr möglich.

Der teurere Fire TV Stick 4K Max (ca. 80 Euro) mit 2 GB RAM und Fire OS läuft dagegen deutlich geschmeidiger und bietet das gewohnte App-Angebot. Wer zu Amazon greift, sollte also eher zu den teureren Modellen greifen.

Google Streamer 4K: Das beste Gesamtpaket

Der Google Streamer 4K für rund 80 Euro hinterlässt im Test den besten Eindruck im Mittelfeld. Statt einer verwirrenden Produktpalette gibt es nur ein einziges Modell mit ordentlicher Ausstattung: 4 GB RAM, 32 GB Speicher, Dolby Vision und ein Ethernet-Port. Die Oberfläche auf Basis von Google TV (Android TV 14) wirkt deutlich aufgeräumter als bei Amazon und läuft flüssig.

Auch hier gibt es zwar Werbeeinblendungen, aber Google erlaubt es immerhin, das Profil in einen "Nur Apps"-Modus zu schalten. Damit verschwinden die meisten Empfehlungen – bis auf ein Banner am oberen Bildschirmrand. Der Play Store bietet Zugang zu allen gängigen Apps inklusive Kodi, Plex und Jellyfin. Für die meisten Nutzer dürfte der Google Streamer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

Apple TV 4K: Premium mit Ökosystem-Zwang

Mit mindestens 170 Euro ist der Apple TV 4K der dritte Generation das mit Abstand teuerste Gerät im Vergleich. Dafür bekommt man einen A15 Bionic Chip, Wi-Fi 6, eine hochwertige Fernbedienung mit Touchgesten und eine makellos flüssige Bedienoberfläche. Die Integration ins Apple-Ökosystem ist hervorragend: AirPods koppeln sich nahtlos, FaceTime funktioniert über das iPhone als Kamera, und Siri steuert Smart-Home-Geräte.

Der Haken: Wer nicht bereits im Apple-Universum unterwegs ist, zahlt einen hohen Aufpreis für Funktionen, die er kaum nutzen wird. Für Apple-Nutzer ist das Gerät dagegen eine logische Ergänzung.

Raspberry Pi als DIY-Smart-TV: Spannend, aber noch nicht alltagstauglich

Besonders interessant ist der Versuch, mit einem Raspberry Pi 4 und Open-Source-Software ein eigenes Streaming-Device zu bauen. Zwei Wege wurden getestet: LibreELEC mit Kodi und eine modifizierte Android-TV-Version auf Basis von LineageOS.

Kodi auf LibreELEC ist schnell eingerichtet und spielt lokale Medien in bis zu 4K ab. Allerdings wirkt die Oberfläche veraltet, und Apps wie YouTube oder Twitch präsentieren sich in einer spartanischen Ordnerstruktur. Für YouTube muss man sich sogar erst einen eigenen API-Key über Google Developer erstellen – nichts für Gelegenheitsnutzer.

LineageOS für Android TV vom Entwickler KonstaKANG sieht auf den ersten Blick vielversprechend aus und erinnert optisch tatsächlich an Google TV. Allerdings stößt man schnell an eine harte Grenze: Widevine DRM. Auf nicht offiziell lizenzierter Hardware läuft nur die niedrigste Sicherheitsstufe L3. Das bedeutet, dass Streaming-Dienste wie Netflix oder Disney+ maximal in 480p wiedergeben – im Jahr 2025 schlicht inakzeptabel.

Hinzu kommt, dass die Performance auf dem Raspberry Pi 4 mit 4 GB RAM enttäuschend ist. Selbst das viel gescholtene Tizen OS eines älteren Samsung-TVs läuft flüssiger. Mit einem Raspberry Pi 5 und 8 GB RAM soll es besser gehen, und es gibt experimentelle x86-Versionen – aber das alles ist noch deutlich im Work-in-Progress-Stadium.

Fazit: Open Source hat noch einen weiten Weg

Die Open-Source-Route ist ein spannendes Bastelprojekt, scheitert aber an der DRM-Problematik und der noch mangelhaften Performance. Wer Streaming-Dienste in vernünftiger Qualität nutzen will, kommt an kommerziellen Geräten nicht vorbei. Der Google Streamer 4K bietet dabei das überzeugendste Gesamtpaket: gute Performance, aufgeräumte Oberfläche, faire Preisgestaltung und die Möglichkeit, Werbung weitgehend zu reduzieren. Apple-Nutzer greifen zum Apple TV, und wer sparen will, ist mit dem Fire TV Stick 4K Max zumindest solide bedient – muss dann aber mit Amazons Werbeflut leben.

Quelle: c't 3003

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