Wie The Verge in einem ausführlichen Hands-on-Video zeigt, weitet Leica seine Smartphone-Strategie massiv aus. Nach drei Generationen exklusiv für den japanischen Markt, die in Zusammenarbeit mit Sharp entstanden, ist das neue Leitzphone erstmals global erhältlich. Dieser Schritt markiert einen Wendepunkt in der Mobilfotografie-Strategie der deutschen Kamera-Ikone, die nun stärker denn je auf die Technologie-Partnerschaft mit Xiaomi setzt.
Vom Xiaomi 17 Ultra zum Leitzphone
Technisch basiert das neue Leitzphone weitgehend auf dem Xiaomi 17 Ultra, der in China unter diesem Namen vertrieben wird. Für den globalen Markt hat Leica das Gerät jedoch umfassend rebranded und mit zahlreichen Design-Elementen versehen, die den Charakter der Marke unterstreichen sollen. Die Rückseite präsentiert sich in einem eleganten matten Schwarz, das der typischen Leica-Ästhetik entspricht und Fingerabdrücke effektiv minimiert.
Besonders interessant ist die Entwicklung der Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen. Wie wir bereits in Leica Leitzphone: Deutsche Kamera-Ikone bringt 2.000-Euro-Smartphone mit Xiaomi analysiert haben, handelt es sich hierbei nicht um eine oberflächliche Lizensierung, sondern um eine tiefe technologische Zusammenarbeit, die sich nun erstmals in einem global verfügbaren Gerät manifestiert.
Das rotierende Kameramodul: Spielerei oder Gamechanger?
Das auffälligste Merkmal des neuen Leitzphones ist zweifellos das mechanisch rotierbare Kameramodul auf der Rückseite. Dieses Element dient nicht nur als Bedienelement für den Zoom oder andere Kameraeinstellungen, sondern bietet auch eine haptische Feedback-Qualität, die an einen Fidget-Spinner erinnert. Obwohl dies auf den ersten Blick wie ein Gimmick wirken mag, erweist sich die physische Steuerung im Test als überraschend intuitiv und ermöglicht eine präzisere Kontrolle über die Aufnahmeparameter als reine Touch-Gesten.
Das Herzstück der Kamera-Einheit bildet ein echtes Zoom-Teleobjektiv mit variabler Brennweite – eine Rarität im Smartphone-Markt, der sonst fast ausschließlich auf feste Brennweiten mit digitaler Vergrößerung setzt. Das Objektiv deckt einen Bereich von 3,2x bis 4,3x optischer Vergrößerung ab, was einem Äquivalent von 75 bis 100 Millimetern im Kleinbildformat entspricht. Kombiniert mit einem 200-Megapixel-Sensor liefert das Telemodul laut Testbericht hervorragende Ergebnisse unter praktisch allen Lichtbedingungen und zählt aktuell zu den besten Tele-Lösungen am Markt.
Monochrome Ästhetik und Leica-Look
Neben der Hardware hat Leica auch die Software durchdrungen gestaltet. Die gesamte Benutzeroberfläche erscheint in einem reduzierten Monochrome-Design, das an die klassischen Schwarzweiß-Fotografien der Marke erinnert. Zusätzliche Widgets und eine komplett überarbeitete Kamera-App mit zahlreichen Leica-Filtern und einem dedizierten "Leica Essential"-Modus sollen den charakteristischen Bildlook der deutschen Traditionsmarke auch auf dem Smartphone reproduzieren.
Die weiteren Kameras – Haupt-, Ultraweitwinkel- und Selfie-Kamera – kommen jeweils mit 50-Megapixel-Sensoren und liefern Flagship-typische Qualität. Für professionelle Fotografen und Enthusiasten dürfte die Kombination aus echtem Zoom, hochauflösenden Sensoren und der durchdachten Software-Integration einen erheblichen Mehrwert bieten.
Akku und Alltagstauglichkeit
Abseits der Fotografie-Funktionen erfüllt das Leitzphone alle Anforderungen an ein modernes Oberklasse-Smartphone. Wireless Charging, Wasserdichtigkeit nach IP-Standard und ein besonders großer Silizium-Kohlenstoff-Akku gehören zur Ausstattung. Letzterer soll im Test problemlos zwei Tage regulären Gebrauch durchhalten – eine beeindruckende Leistung angesichts des energiehungrigen Kamera-Setups und des leistungsstarken Prozessors.
Limited Edition: Schnell sein oder verpassen
Leica und Xiaomi vermarkten das neue Leitzphone explizit als Limited Edition. Wer also Interesse an dem Gerät hat, sollte nicht zu lange zögern. Die limitierte Verfügbarkeit unterstreicht den exklusiven Charakter des Smartphones und dürfte Sammler sowie professionelle Fotografen besonders ansprechen.
Mit dem Schritt auf den globalen Markt positioniert Leica sein Smartphone-Geschäft neu. Statt eines Nischenprodukts für den japanischen Markt präsentiert sich das Leitzphone nun als ernstzunehmende Alternative für alle, die maximale Fotografie-Qualität im Hosentaschenformat suchen und bereit sind, für das rote Logo und die optische Qualität einen Premium-Preis zu zahlen.
Quelle: The Verge