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Comma AI im Langzeittest: 1000-Dollar-Hack fürs Auto

Linus Tech Tips hat das Open-Source-Fahrassistenzsystem Comma AI über Monate im Alltag getestet. Das Fazit: Faszinierend auf der Autobahn, frustrierend in der Stadt.

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Codekiste Redaktion26. Mai 2026

Vom Bastelprojekt zum Alltagstest

Es ist ein faszinierender Gedanke: Ein kleines Gerät für rund 1.000 Dollar, das nicht viel mehr Rechenleistung besitzt als ein altes Smartphone, soll das eigene Auto mit autonomen Fahrfunktionen ausstatten. Das Versprechen von Comma AI klingt verlockend – doch wie schlägt sich das Open-Source-System im harten Alltagstest? Linus Sebastian von Linus Tech Tips hat genau das über mehrere Monate ausprobiert und seine Erfahrungen in einem ausführlichen Tagebuch-Format festgehalten.

Die Erwartungshaltung war klar: Ein kurzer Test im Labor ist das eine, aber der tägliche Weg zur Arbeit zeigt erst, ob die Technologie wirklich einen Mehrwert bietet. Das Ergebnis ist eine Bestandsaufnahme mit Höhen und Tiefen, die typische Probleme von KI-Fahrsystemen offenbart.

Die Qual der Wahl: Vertrauen oder Kontrolle?

Schon die ersten Minuten des Langzeittests zeigen ein grundlegendes Dilemma auf. Die KI ist auf geraden, übersichtlichen Strecken erstaunlich fähig. Sie erkennt Fahrbahnmarkierungen oft besser als das menschliche Auge, navigiert durch Baustellen und hält zuverlässig die Spur. Doch sobald komplexe Stadtverkehre oder unvorhersehbare Situationen ins Spiel kommen, bricht die Performance ein.

Besonders deutlich wird das bei Ampeln. Im experimentellen Modus erkennt das System zwar Rotlichter, reagiert aber teils völlig unangemessen – es fährt fast in Kreuzungen hinein oder bremst unvermittelt ab. Schaltet man den experimentellen Modus ab, wird das System in der Stadt nahezu nutzlos, da es nicht selbstständig hält und der Fahrer ständig manuell eingreifen muss.

Die Ursache dafür ist ein bekanntes Problem von Assistenzsystemen: Wenn die KI überfordert ist, ist ihr Standardverhalten das Abbremsen. Das mag intuitiv sicher klingen, kann im fließenden Verkehr aber gefährlicher sein als ein gezieltes Ausweichen oder Beschleunigen.

Ein zweischneidiges Fahrerlebnis

Seine wahre Stärke spielt das System auf der Autobahn aus. Auf einer 35 Kilometer langen Fahrt über den Freeway verzeichnet Linus null manuelle Eingriffe – abgesehen von initiierten Spurwechseln. Kein Pedal musste betätigt werden, kein Lenkrad berührt werden. In Stop-and-Go-Verkehrssituationen auf der morgendlichen Pendelstrecke zeigt die KI ebenfalls Stärken und reduziert die mentale Ermüdung spürbar.

Doch genau hier liegt der Konflikt: In Situationen, in denen das System gut funktioniert, ist es eine enorme Erleichterung. Wenn es aber versagt – und das passiert unerwartet und plötzlich –, ist die mentale Belastung höher als beim reinen Fahren. Man muss das System ständig überwachen und eingreifen können. Das ist anstrengender, als selbst zu fahren. Es ist wie das Beobachten eines Anfängers am Steuer, der jederzeit einen Fehler machen könnte.

Hardware-Limitierungen und Software-Perspektiven

Bemerkenswert ist die Hardware-Basis. Die Kamera und der Prozessor des Comma AI entsprechen im Wesentlichen denen eines mehrere Jahre alten Smartphones. Dass die Bilderkennung dennoch so gut funktioniert, spricht für die Effizienz der Software. Allerdings fehlt dem System völlig eine Navigationsfähigkeit – es weiß nicht, wohin die Reise gehen soll. Es reagiert nur auf das, was die Kamera sieht. Theoretisch ließe sich das mit Kartendiensten wie Google Maps verknüpfen, doch aktuell ist das nicht umgesetzt.

Auch die Beschleunigungssteuerung offenbart Schwächen. Selbst im aggressiven Fahrmodus zögert die KI, auf Tempo zu kommen, und lässt oft unnötig große Lücken zum Vordermann. In einem Verkehrsumfeld, in dem andere Autofahrer Lücken zügig schließen, ist dieses Verhalten problematisch und sorgt für Hupen und riskante Überholmanöver.

Software-Updates bringen zudem keine linearen Verbesserungen. Nach einem Update nach einer Asienreise war das System in manchen Situationen schlechter als zuvor – ein bekanntes Phänomen bei KI-Systemen, die im ständigen Wandel sind.

Kritische Einordnung: Was bleibt am Ende?

Der Test von Linus Tech Tips zeigt einmal mehr: Die Grenze zwischen einem hilfreichen Assistenzsystem und einer nervigen Black Box ist schmal. Comma AI ist kein vollautonomes System und gibt das auch nicht vor. Was es verspricht, ist die deutliche Verbesserung bestehender Fahrassistenzsysteme – und das liefert es unter idealen Bedingungen auch.

Für den Stadtverkehr ist das System aktuell kaum brauchbar. Für monotone Pendelstrecken und Autobahnfahrten kann es jedoch einen echten Mehrwert bieten, wenn man bereit ist, die Einschränkungen zu akzeptieren. Die 1.000 Dollar Investition müssen also genau gegen das eigene Nutzungsprofil abgewogen werden.

Die wahre Bedeutung des Projekts liegt ohnehin woanders: Comma AI beweist, dass Open-Source-KI-Entwicklung im Automobilsektor möglich ist und dass man für fortschrittliche Fahrassistenz keine 50.000-Dollar-Limousine braucht. Das ist eine Botschaft, die die gesamte Automobilindustrie zum Nachdenken bringen sollte.

Quelle: Linus Tech Tips

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YouTube: Linus Tech Tips
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