Die Puzzlestücke für Apples erstes faltbares iPhone setzen sich zusammen
Es ist ein offenes Geheimnis: Apple arbeitet an einem Foldable. Während in den vergangenen Monaten vor allem vage Gerüchte und Konzeptzeichnungen die Runde machten, liefert nun die Zubehör-Industrie die ersten handfesten Beweise. Der Accessory-Hersteller iFunSmart hat erste Schutzhüllen für das kommende Gerät gelistet, die vom französischen Apple-Blog iPhoneSoft entdeckt wurden. Diese Cases sind weit mehr als nur einfaches Plastik – sie sind der bislang verlässlichste Blick auf das finale Design des Geräts, das voraussichtlich im Herbst 2026 auf den Markt kommen wird.
Was die Cases verraten: Design mit Abschlägen
Die gelisteten Hüllen zeigen einige signifikante Details, die bisherige Leaks untermauern – und gleichzeitig interessante Rückschlüsse auf Apples Design-Entscheidungen zulassen. Auffällig ist zunächst das Kamerasystem: Auf der Rückseite gibt es lediglich ein unauffälliges Plateau mit zwei Linsen-Aussparungen. Dies bestätigt die Gerüchte, dass Apple auf ein Teleobjektiv verzichten wird. Für ein Foldable ist das aus rein physikalischer Sicht jedoch wenig überraschend. Ein Foldable muss im aufgeklappten Zustand extrem flach sein (laut Leaks nur 4,5 mm) – da ist schlichtweg kein Platz für ein voluminöses Telephoto-Modul. Stattdessen setzen die Kalifornier wohl auf zwei 48-Megapixel-Sensoren (vermutlich Main und Ultrawide), die durch Software-Algorithme und den neuen A20 Pro Chip mit 12 GB RAM aufgewertet werden.
Ein weiteres Detail betrifft die Tastenbelegung. Das Case weist einen Ausschnitt für den Camera Control Button auf, den Apple mit der iPhone 16-Serie eingeführt hat. Ein Action Button fehlt hingegen. Apple positioniert das Foldable also klar als Weiterentwicklung der aktuellen Pro-Linie, behält aber die klassische Lautstärkewippe bei.
Besonders spannend ist der Aufbau des Cases selbst. Da es sich um ein faltbares Gerät handelt, besteht die Hülle aus mehreren Teilen, die auf das Gerät gesteckt werden, anstatt aus einem einzigen Stück. Dies ist ein typisches Merkmal für Foldable-Schutzhüllen, zeigt aber auch, wie komplex das Zubehör-Ökosystem für Klapp-Smartphones ist. Die Hüllen selbst setzen auf N52-Magnete für MagSafe, einen matten, transluzenten Look und sogenannte „military-grade drop protection“ mit 1,5 mm erhöhten Kanten über der Kamera und 1 mm über dem Display.
Touch ID statt Face ID: Ein strategischer Kompromiss
Ein technisches Detail, das durch die Leaks bestätigt wird und für Diskussionen sorgen dürfte: Das Foldable wird Face ID nicht unterstützen. Stattdessen setzt Apple auf Touch ID im Side-Button. Auch hier zeigt sich die Physik als limitierender Faktor. Im aufklappbaren Zustand verfügt das Gerät über ein 7,8 Zoll großes Innen-Display. Für Face ID hätte Apple eine markante Notch oder eine Dynamic Island in dieses Display integrieren müssen – ein absoluter No-Go für ein Foldable, das als mediales Kraftpaket dienen soll. Touch ID ist hier der eleganteste, wenn auch nicht der modernste Ausweg.
Kritische Einordnung: Ein Premium-Gerät mit Kompromissen
Die Spezifikationen, die sich nun abzeichnen, zeichnen das Bild eines sehr spezifischen Geräts. Mit einem 5,5 Zoll Außen-Display und 7,8 Zoll Innen-Display positioniert sich Apple eher im Format eines Buches (ähnlich dem Galaxy Z Fold) statt eines kompakten Klapp-Handys (wie dem Z Flip).
Doch Apple geht Risiken ein. Der erwartete Startpreis von rund 2.000 US-Dollar ist extrem hoch, selbst für Apple-Verhältnisse. Für diesen Preis erwarten Konsumenten in der Regel ein absolut kompromissloses Erlebnis – doch genau da hinkt das Gerät: Eine Dual-Kamera statt eines Pro-Kamera-Systems, Touch ID statt Face ID und das Fehlen eines Action Buttons zeigen, dass Apple hier massiv Kompromisse bei der Hardware-Ausstattung eingehen muss, um das Gerät überhaupt in einer handlichen Form und mit akzeptabler Akkulaufzeit auf den Markt bringen zu können.
Es erinnert stark an die erste Apple Watch oder das erste iPhone: Apple betritt eine neue Produktkategorie und das erste Gerät ist teuer, aber noch nicht voll ausgereift. Die Konkurrenz aus Südkorea – allen voran Samsung – ist mittlerweile in der sechsten Generation ihrer Foldables und hat Probleme wie Knickfalten, Scharnier-Haltbarkeit und Software-Optimierung für große Displays weitgehend gelöst. Apple muss hier mit einem einzigen Schlag überzeugen. Die Software – vermutlich ein maßgeschneidertes iPadOS/iOS-Hybrid – wird darüber entscheiden, ob das Gerät ein Erfolg wird oder ein teures Nischenprodukt bleibt.
Fazit
Dass die ersten Cases jetzt auftauchen, ist ein sicherer Indikator dafür, dass die Produktion in den Startlöchern steht. Zubehör-Hersteller erhalten ihre CAD-Daten meist direkt aus der Supply Chain, weshalb die Designs sehr verlässlich sind. Apple wird das Foldable voraussichtlich zusammen mit dem iPhone 18 Pro und Pro Max im Herbst 2026 präsentieren. Bis dahin werden wir noch viele weitere Leaks sehen. Fest steht jedoch schon jetzt: Apples Foldable wird teuer, flach und voller Kompromisse – aber vermutlich trotzdem das begehrteste Foldable auf dem Markt werden.
Quelle: MacRumors