Wenn AMD eine neue Grafikkarte auf den Markt bringt, schauen Enthusiasten genau hin. Besonders bei Sondermodellen wie der neuen RX 970 GE hofft die Community oft auf den perfekten Sweetspot zwischen Preis und Leistung. Doch nach ersten Tests zeichnet sich ein ernüchterndes Bild ab. Die Karte, die eigentlich als der neue Preisleistungstipp des Hauses positioniert wurde, stolpert über ihre eigene Produktpolitik.
Leistungslücke statt Sweetspot
Die Erwartungen waren klar: Die RX 970 GE sollte die Lücke zwischen der kleineren 9060 XT und der Standard-RX 970 schließen und dabei ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. In der Praxis fällt diese Rechnung jedoch mau aus. Im QHD-Test (QD) liegt die Karte zwar respektable 32 Prozent vor der 9060 XT, doch der Blick nach oben offenbart die eigentliche Schwachstelle. Gegenüber der normalen RX 970 fehlen der GE-Version satte 12 Prozent an Leistung. Wer also dachte, hier ein Schnäppchen mit fast Oberklasse-Power zu machen, wird enttäuscht. Die Leistungskluft zur Standard-Version ist schlichtweg zu groß, als dass man von einem echten Tipp sprechen könnte.
12 GB VRAM und hoher Stromverbrauch: Ein Rückschritt
Neben der reinen Render-Leistung sind es zwei weitere Faktoren, die bei der Beurteilung moderner Grafikkarten entscheidend sind: Videospeicher (VRAM) und Stromverbrauch. Hier enttäuscht die RX 970 GE ebenfalls. AMD verbaut lediglich 12 GB VRAM. In einer Zeit, in der aktuelle Spiele-Titel immer häufiger mehr als 8 GB verschlingen und Texturen im QHD- und 4K-Bereich immer hungriger werden, sind 12 GB zwar noch kein absolutes No-Go, aber eben auch kein zukunftssicheres Feature mehr – besonders nicht in dieser Preisklasse. Wenn Konkurrent Nvidia in diesem Segment ebenfalls knauserig ist, heißt das noch lange nicht, dass AMD denselben Fehler machen muss. Gerade bei AMD-Karten war der großzügige VRAM-Puffer in der Vergangenheit oft ein starkes Argument gegenüber der Konkurrenz. Dieses Kaufargument fällt bei der RX 970 GE nun weg.
Hinzu kommt der Stromverbrauch. Obwohl die RX 970 GE rund 12 Prozent langsamer ist als die normale RX 970, verbraucht sie exakt genauso viel Strom. Die Energieeffizienz geht also komplett den Bach runter. Wer weniger Leistung bekommt, sollte zumindest von einem geringeren Stromverbrauch profitieren können. Hier verfehlt AMD das Ziel deutlich.
Der Schatten des Vorgängers
Besonders bitter fällt der Vergleich mit der Vergangenheit aus. Die alte RX 7900 GE war damals ein echter Geheimtipp. Sie bot eine exzellente Leistung für den Preis und war bei Kennern hochbegehrt. Die neue 9070 GE kann diese Legacy nicht fortsetzen. Im Schnitt ist sie kaum schneller als ihr Vorgänger und wirkt eher wie ein Lückenfüller, der auf den Markt geworfen wurde, um das Produktportfolio künstlich aufzublähen, anstatt eine echte Bereicherung für den Gamer darzustellen. Gerade in einem Marktumfeld, in dem Käufer genau abwägen, wo ihr Geld am besten investiert ist, vermissen wir bei AMD den "Sweet Spot", der die Marke in der Vergangenheit so attraktiv gemacht hat.
Der Preis als Sargnagel
Am Ende entscheidet der Preis über Leben und Tod einer Grafikkarte. Die RX 970 GE soll mit 569 Euro in den Handel kommen. Ein Preis, der bei der gebotenen Leistung schlichtweg zu hoch ist. Das Hauptproblem: Die schnellere Standard-RX 9070, die zudem mit mehr VRAM aufwartet, kostet aktuell exakt gleich viel. Warum sollte ein Käufer also die langsamere Karte mit weniger Speicher zum identischen Preis kaufen? Die Antwort ist einfach: Er wird es nicht tun. Hier zeigt sich ein klassisches Problem der Produktdifferenzierung. Wenn die eigene Karte durch eine andere aus dem eigenen Haus deklassiert wird, ohne dass es einen spürbaren Preisvorteil gibt, hat das Produkt keine Daseinsberechtigung.
Fazit: Ein Produkt ohne klares Konzept
AMD hat sich bei der RX 970 GE etwas gedacht – nur was genau, bleibt rätselhaft. Die Positionierung als Preisleistungstipp ist angesichts von 12 GB VRAM, hohem Stromverbrauch und einem Straßenpreis von 569 Euro nicht haltbar. Solange die schnellere RX 9070 mit mehr VRAM zum gleichen Preis erhältlich ist, ist die GE-Version schlicht obsolet. Hier muss AMD dringend nachbessern – idealerweise durch deutliche Preissenkungen –, sonst wird diese Karte in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.
Quelle: HardwareDealz