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89 % Code von KI: Cognition über Devin und den Menschen

Cognition, Schöpfer des KI-Agents Devin, sammelt 1 Milliarde Dollar ein. CEO Scott Wu betont: KI soll Programmierer nicht ersetzen. Doch die internen Zahlen sprechen eine andere Sprache.

CR
Codekiste Redaktion29. Mai 2026

Im turbulenten KI-Jahr 2026 gibt es kaum ein Thema, das die Tech-Branche mehr spaltet als die Frage, ob künstliche Intelligenz Entwickler ersetzen wird. Fast täglich verkünden CEOs Entlassungen zugunsten von Automatisierung. In dieses Bild passt die neueste Aussage von Scott Wu, CEO von Cognition, nicht recht hinein: Der Entwickler des KI-Coding-Agents Devin betont, dass sein Tool keineswegs Menschen ersetzen solle. Doch ein genauerer Blick auf die Zahlen offenbart einen tiefen Widerspruch.

Cognition, das erst vor zwei Jahren gegründete Startup hinter Devin, hat in dieser Woche mit einer weiteren Schlagzeile auf sich aufmerksam gemacht: Eine Finanzierungsrunde über 1 Milliarde Dollar bei einer Bewertung von 26 Milliarden Dollar. Devin gilt als einer der ersten und erfolgreichsten autonomen Coding-Agenten, der Aufgaben "end-to-end" übernehmen kann. Im Blogpost zur Finanzierung sprach das Unternehmen sogar von einem Wandel hin zu einer Welt des "self-driving software development".

Doch kann Devin einen mid-level L4-Programmierer ersetzen? Wu sagt dazu im Interview mit TechCrunch: "Wir haben nie daran gedacht, Menschen zu ersetzen. Ich weiß, dass das ein Szenario ist, das Leute erwähnen, aber das war nie unsere Sichtweise." Als Begründung führt der CEO an, dass er und sein Team selbst Programmierer seien. Wu, der mit neun Jahren zu coden begann und als eines der begabtesten Kinder im Bereich des kompetitiven Programmierens gilt, versteht die Freude am Handwerk: "Die meisten Software-Engineers lieben es, Software zu bauen. Sie können eine Idee haben und sie in ein Produkt verwandeln."

Um diese Philosophie zu untermauern, zeigt Wu sogar einen Devin-Kuscheltier, das auf seinem Schreibtisch steht. Devin sei kein Ersatz, sondern ein "Buddy", ein Kumpel, der hilft, mehr zu erschaffen. Wu vergleicht KI-Agenten mit visuellen Entwicklungsumgebungen, die das Programmieren von Maschinencode abstrahierten – Agenten seien lediglich eine neue Abstraktionsschicht zwischen Vision und fertiger Software.

Soweit die Theorie. Die Praxis von Cognition sieht jedoch anders aus. Das Unternehmen gibt selbst zu, dass Devin im eigenen Haus fast die gesamte Software ausliefert. Konkret: 89 Prozent des von den Ingenieuren committeten Codes stammen von Devin. Der Rest wird von lokalen Agenten von Windsurf generiert, einem KI-Coding-Konkurrenten, den Cognition im vergangenen Jahr übernommen hat.

Hier zeigt sich die kognitive Dissonanz der aktuellen Tech-Debatte. Wenn 89 Prozent des Codes von einer Maschine geschrieben werden, was machen dann die menschlichen Entwickler? Wu argumentiert, dass Devin vor allem die "long-tail maintenance" übernimmt – also das Aktualisieren alter Software oder das Migrieren von Plattformen. Aufgaben, die viele Programmierer ohnehin als lästige Pflicht empfinden. Der Agent befreie die Menschen von der Plackerei, damit sie sich auf die kreative Seite konzentrieren können.

Das klingt vernünftig, ändert aber nichts daran, dass sich die Rolle des Entwicklers radikal wandelt. Vom aktiven Schreiber von Logik wird er zum Reviewer und Manager, der kontrolliert, was der Agent ausspuckt. Wu gibt zu, dass Devin aktuell auf dem Niveau zwischen einem Junior- und einem Mid-Level-Engineer arbeitet – je nach Aufgabe. Doch die Vision des "self-driving software development" zielt auf Rekursion ab: Der Agent lernt und verbessert sich selbst, um irgendwann auch komplexeste Aufgaben autonom zu lösen. Wu selbst sagt dazu nur: "Wir stehen eine wilde Fahrt bevor."

Die Ausweitung auf andere Branchen – vom Kundenservice bis zur Medizin – steht laut Wu noch aus. Doch das Prinzip bleibt dasselbe: Der Mensch soll die Kontrolle behalten. "Es sollte immer am Menschen liegen, zu entscheiden, was zu tun ist", so Wu.

Die Aussagen von Scott Wu sind symptomatisch für die Zwiespältigkeit der Branche. Einerseits will man die disruptive Kraft der eigenen Technologie betonen, um Investorengelder in Milliardenhöhe zu rechtfertigen. Andererseits will man die Ängste der Entwicklergemeinde beschwichtigen, auf deren Akzeptanz man angewiesen ist. Devin mag als "Buddy" gedacht sein, aber ein Kumpel, der 89 Prozent der Arbeit übernimmt, ist eher ein stiller Teilhaber. Die Realität zeigt: KI ersetzt den Programmierer vielleicht nicht komplett, aber sie ersetzt definitiv das Programmieren, wie wir es kannten.

Quelle: TechCrunch

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