Tesla versucht es mit Preisoffensive beim Cybertruck
Wie t3n berichtet, bringt Tesla den Cybertruck jetzt für 59.990 Dollar auf den Markt – die bislang günstigste Variante des kantigen E-Pickup-Trucks. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein attraktives Angebot. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich die Aktion jedoch als durchsichtiger Marketingtrick eines Unternehmens, das offenbar verzweifelt versucht, seine Lagerbestände abzubauen.
Von 40.000 Dollar Versprechen zur 60.000 Dollar Realität
Die Geschichte des Cybertruck-Preises ist eine Geschichte von gebrochenen Versprechen. Bei der Ankündigung des Fahrzeugs versprach Elon Musk einen Startpreis von 39.900 Dollar. Als die Produktion 2023 endlich anlief, zahlten Käufer plötzlich 80.000 Dollar. Eine zwischenzeitlich für knapp 70.000 Dollar angebotene abgespeckte Version wurde sang- und klanglos wieder eingestellt.
Nun also der nächste Versuch: Ein Dual-Motor-Modell mit Allradantrieb, 520 Kilometern Reichweite, motorisierter Laderaumabdeckung und Powershare-V2X-Funktion für knapp 60.000 Dollar. Technisch betrachtet ist das durchaus ein faires Angebot. Gegenüber den Premium-Varianten fehlen lediglich die aktive Luftfederung und etwas zusätzliche Reichweite – aber im Kern bietet das Modell das, was ein moderner E-Pickup können sollte.
Der Haken: Nur zehn Tage gültig
Der entscheidende Schwachpunkt dieser Aktion liegt in ihrer künstlichen Befristung. Das Modell soll es nur für zehn Tage geben. Elon Musk selbst kommentierte das entsprechende X-Posting eines Tesla-Fans mit dem knappen Hinweis: "Nur für die nächsten zehn Tage." Was danach passiert? Tesla schweigt sich aus. Preiserhöhung? Modelleinstellung? Komplette Überarbeitung? Die potenziellen Kunden bleiben im Unklaren.
Diese Taktik ist klassisches FOMO-Marketing (Fear of Missing Out) – künstliche Verknappung und Kaufdruck, wie man sie eher von Dropshipping-Stores kennt als von einem etablierten Autohersteller. Für ein Unternehmen, das sich selbst als Innovator und Disruptor sieht, ist diese altmodische Verkaufstaktik überraschend.
Die unbequeme Wahrheit: Cybertruck verkauft sich miserabel
Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2025 haben sich die Cybertruck-Verkäufe in den USA im Vergleich zum Vorjahr fast halbiert – auf magere 20.000 verkaufte Exemplare. Für ein Fahrzeug, das jahrelang als das nächste große Ding gehypt wurde, ist das ein Desaster. Wie wir bereits in Tesla senkt Cybertruck-Preise drastisch – der erste echte Flop? berichtet haben, deuten alle Signale auf ein fundamentales Problem hin.
Die Gründe für die schwachen Verkäufe sind vielfältig: Das polarisierende Design trifft nicht jeden Geschmack, die Produktionsqualität war durchwachsen, und die ursprünglichen Versprechen wurden nicht erfüllt. Hinzu kommen praktische Probleme: Bei Regen versagen die Sensoren, und die Qualitätskontrolle lässt zu wünschen übrig. Das sind keine Probleme, die man mit einer Preissenkung löst.
Strategische Neuausrichtung: Vom Autohersteller zum Roboter-Produzenten
Die aktuelle 10-Tage-Aktion muss im Kontext von Teslas größerer strategischer Verschiebung betrachtet werden. Das Unternehmen hat gerade angekündigt, die Produktion von Model S und X nach über einem Jahrzehnt einzustellen. Die Gigafactory in Fremont soll stattdessen bis zu eine Million Optimus-Roboter pro Jahr produzieren können. Robotaxis und humanoide Roboter sollen künftig im Vordergrund stehen.
Vor diesem Hintergrund wirkt die 10-Tage-Cybertruck-Aktion wie ein letztes Aufbäumen, bevor sich Tesla von dem Projekt verabschiedet – oder es zumindest drastisch zurückfährt. Der Cybertruck war von Anfang an ein Risikoprojekt mit einem kontroversen Design. Dass er sich nun nicht verkauft, passt zum bisherigen Muster.
Fazit: Marketingtrick statt echter Deal
Die "günstige" Cybertruck-Variante ist technisch durchaus in Ordnung. Die künstliche Verknappung auf zehn Tage ist jedoch ein durchsichtiges Manöver, das Kaufdruck schafft, ohne transparent zu kommunizieren, was danach kommt. Für Interessenten gilt: Lassen Sie sich nicht von der Deadline treiben. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Tesla bald mit weiteren "Sonderangeboten" um die Ecke kommt – oder das Modell grundlegend überarbeitet.
Denn eines ist klar: So wie es derzeit läuft, kann es nicht weitergehen. Tesla muss entweder das Fahrzeug grundlegend überarbeiten, ein neues Design entwickeln oder sich von dem Projekt verabschieden. Eine unbegrenzte Serie von zeitlich befristeten Preisaktionen ist keine tragfähige Geschäftsstrategie.