Gerade erst hat die neueste Staffel von For All Mankind auf Apple TV+ ihr Finale gefeiert, da steht das nächste Kapitel des erfolgreichen Franchise bereits in den Startlöchern – oder besser gesagt: ist schon gestartet. Mit Star City liefert der Streaming-Dienst einen Spinoff, der die bekannte alternative Historie nun konsequent aus der Perspektive der Sowjetunion erzählt. Die ersten beiden Episoden sind ab sofort verfügbar.
Der Blick hinter den Eisernen Vorhang
Wer For All Mankind kennt, weiß um die faszinierende Prämisse der Serie: Die Sowjetunion gewinnt das Rennen zum Mond, und die USA müssen sich geschlagen geben. Diese historische Abweichung katapultiert den Space Race in eine völlig neue, viel aggressivere Dynamik, die über mehrere Zeitsprünge hinweg erzählt wird. Bisher erlebten wir diese Geschichte primär durch die Augen der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und der Astronauten, die sich unter enormem Druck setzen mussten, um das technologische und politische Defizit aufzuholen.
Star City dreht nun den Spiegel um 180 Grad. Der Titel verweist auf das sowjetische Ausbildungszentrum für Kosmonauten (in der Realität oft als "Swjosdny Gorodok" bezeichnet). Anstatt die Ereignisse der Mutterserie lediglich aus einem anderen Winkel zu wiederholen, wählt der Ableger einen gänzlich anderen erzählerischen Zugang. Die Serie wirft uns mitten in das Zentrum der sowjetischen Raumfahrt, beleuchtet das Leben der Kosmonauten, der Ingenieure und – ganz entscheidend – der Geheimdienstoffiziere, die tief in das Programm infiltriert sind.
Vom Space-Drama zum Paranoia-Thriller
Die ersten Kritiken zeichnen ein klares Bild: Star City ist kein reines Retro-Drama wie sein Vorgänger, sondern ein getriebener, paranoider Thriller. Diese Genre-Verschiebung ist nicht nur ein künstlerischer Kniff, sondern eine historisch wie erzählerisch zwingende Notwendigkeit. Die sowjetische Raumfahrt war historisch tief in Geheimniskrämerei, politischer Propaganda und ständiger Überwachung durch den KGB verstrickt. Ein System, das einen Mann als Ersten auf den Mond setzt, aber gleichzeitig von Misstrauen und Säuberungen zersetzt wird – das ist der perfekte Nährboden für einen Espionage-Thriller.
Apple beschreibt die Serie als "propulsive paranoid thriller", der genau diesen Konflikt einfängt: Die Notwendigkeit, technologische Höchstleistungen zu erbringen, um die Menschheit voranzubringen, während das System jeden Einzelnen in Atem hält. Die Protagonisten müssen nicht nur gegen die Schwerkraft und die USA kämpfen, sondern auch gegen die eigene Führung. Das verspricht eine deutlich düsterere, komplexere Erzählung, die den oft idealistischen US-Zugang von For All Mankind hervorragend kontrastiert.
Strategische Ausweitung des Universums
Aus journalistischer und medienstrategischer Sicht ist der Start von Star City ein kluger Schachzug von Apple TV+. Anstatt eine erfolgreiche Serie bis zum Exzess auszubluten, baut das Streaming-Plattform ein echtes, verwobenes Universum auf. Das Konzept der geteilten Zeitlinie ermöglicht es, etablierte Lore aufzugreifen, ohne die Kernserie zu schwächen. Zuschauer, die sich für die politischen und technologischen Verwerfungen des Kalten Krieges interessieren, bekommen nun die fehlende Hälfte der Geschichte geliefert.
Mit Formaten wie Severance, Silo und dem For All Mankind-Kosmos hat sich Apple TV+ im Bereich der anspruchsvollen Sci-Fi- und Dystopie-Produktionen einen exzellenten Ruf erarbeitet. Star City fügt sich nahtlos in diese Strategie ein: Es ist Premium-Television, die den Zuschauer intellektuell fordert.
Fazit: Ein Muss für Sci-Fi-Fans
Für Tech-Enthusiasten und Fans harter Sci-Fi ist Star City ohnehin ein Pflichtprogramm. Die Serie verspricht, die technische Pionierleistung der sowjetischen Ingenieure mit der beklemmenden Atmosphäre eines Überwachungsstaates zu verknüpfen. Wer die Mutterserie schaut, erhält endlich den langersehenten Kontext aus dem feindlichen Lager. Wer For All Mankind nicht kennt, findet in Star City einen eigenständigen Thriller, der tief in die Mechaniken von Macht, Geheimdienst und Raumfahrt eintaucht.
Die Serie ist im Apple TV+-Abo (in Deutschland aktuell für 9,99 Euro pro Monat) abrufbar. Der Trailer verspricht dichte Atmosphäre und hochkarätige Produktion – es wird spannend zu sehen sein, ob der Spinoff die Messlatte der Mutterserie legen kann.
Quelle: 9to5Mac