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Meta baut Rechenzentren in Zelten: Milliarden-Chips unter Plane

Um KI-Rechenkapazitäten extrem schnell zu skalieren, nutzt Meta eine Taktik von Tesla: Zelte. Milliarden an Hardware arbeiten in temporären Strukturen – mit Gas-Turbinen als Stromquelle.

CR
Codekiste Redaktion4. Juni 2026

In dem verzweifelten Versuch, beim Aufbau von KI-Infrastruktur Zeit zu sparen, greift Meta auf eine unkonventionelle Methode zurück: Das Unternehmen baut riesige Rechenzentren in Zelten. Wie Michael Thomas, Gründer des Tracking-Unternehmens Cleanview, anhand von Satellitenbildern und städtischen Bauunterlagen aufgedeckt hat, errichtete Meta außerhalb von New Albany, Ohio, zwischen April und Juni 2026 fünf dieser temporären Strukturen – jede davon mit einer Fläche von 125.000 Quadratfuß. Das Unternehmen selbst nennt diese Konstruktionen diplomatisch „Rapid Deployment Structures“.

Die Idee ist nicht völlig neu. Meta-CEO Mark Zuckerberg hatte bereits im vergangenen Jahr im Gespräch mit The Information seine Pläne skizziert, wetterfeste Zelte für die Multi-Gigawatt-Rechenzentren des Konzerns zu nutzen. Doch die nun vorliegenden visuellen Beweise zeigen ein erschreckendes Tempo und einen gewaltigen Maßstab. Was bei Tesla als Notlösung während des berühmten „Production Hell“ für das Model 3 in Fremont, Kalifornien, begann, wird nun bei Meta zum Blaupausen-Standard für den KI-Ausbau.

Milliarden-Hardware unter Plane

So absurd es klingen mag: In diesen Zelten werden bald AI-Chips im Wert von Milliarden von Dollar ihre Rechenoperationen verrichten. Die KI-Revolution findet also nicht in hochsicheren, klimatisierten Betonbunkern statt, sondern in Strukturen, die mancher Großbaustelle ähneln. Dies unterstreicht den extremen Zeitdruck, unter dem die Tech-Giganten stehen. Wer heute noch Jahre auf den Bau eines klassischen Rechenzentrums wartet, verliert den Anschluss im KI-Wettlauf.

Die Energie-Frage: Schmutzige Turbinen statt grüner Strom

Noch aufschlussreicher als die Zelte selbst ist jedoch die Art und Weise, wie sie mit Strom versorgt werden. In unmittelbarer Nähe zu den Zelten betreibt Meta 200 Megawatt an modularen Gasturbinen. Auch hier bedient sich Meta bei der Konkurrenz: Diese Taktik wurde maßgeblich von Elon Musks KI-Startup xAI popularisiert, das ähnliche Turbinen für seine Rechenzentren nutzt.

Diese Entwicklung ist hochproblematisch. Modulare Gasturbinen lassen sich zwar schnell aufstellen, sie sind aber extrem ineffizient und stoßen enorme Mengen an CO2 und Schadstoffen aus. Während Meta sich in der Öffentlichkeit oft als Vorreiter für Nachhaltigkeit positioniert, zeigt die Realität an der KI-Front ein ganz anderes Bild: Wenn es um Compute geht, zählen Geschwindigkeit und Kapazität mehr als Klimaziele. Die KI-Rüstung frisst ihre eigenen grünen Ideale.

Software-Stau und Wall-Street-Druck

Dass Meta zu solchen Mitteln greift, ist auch ein Zeichen von tiefgreifenden Problemen auf der Software- und der Finanzseite. Wie das Wall Street Journal kürzlich berichtete, hat Meta zwar sein neuestes und leistungsstärkstes KI-Modell namens „Muse Spark“ fertiggestellt, doch die dazugehörigen APIs – die für Entwickler unerlässlich sind, um das LLM in eigenen Anwendungen zu nutzen – werden immer wieder verschoben. Die Hardware ist also da (oder wird zumindest in Zelten provisorisch aufgebaut), aber die Software-Anbindung hinkt hinterher. Ein klassischer Flaschenhals.

Gleichzeitig steht Meta massiv unter finanziellem Druck. Das Unternehmen hat angekündigt, bis zu 145 Milliarden Dollar für Rechenzentren und andere Capital Expenditures (Capex) auszugeben. Die Wall Street reagiert darauf mit großer Skepsis: Metas Aktie ist in diesem Jahr um 5 Prozent gefallen. Investoren fordern endlich Rendite für die gigantischen KI-Investitionen. Die Zelte sind somit nicht nur ein Zeichen von Eile, sondern auch von Sparsamkeit – oder zumindest dem Versuch, die massiven Ausgaben irgendwo zu drosseln, ohne das Wachstum zu bremsen.

Fazit: Wenn Software-Grenzen an der Physik scheitern

Der Bau von Rechenzentren in Zelten ist mehr als nur eine kuriose Anekdote aus dem Silicon Valley. Es ist ein Symptom für die extremen Verwerfungen, die der aktuelle KI-Hype verursacht. Die Tech-Giganten rennen so schnell, dass sie die etablierten Prozesse der Industrie hinter sich lassen – mit zweifelhaften Kompromissen bei Nachhaltigkeit und Sicherheit. Das „Move fast and break things“-Mantra der frühen Social-Media-Ära wird nun auf die physische Infrastruktur übertragen. Die Frage ist nur: Wie lange halten Milliarden-Chips in Zelten den Elementen stand – und was passiert, wenn der KI-Hype abkühlt und diese temporären Strukturen als das zurückbleiben, was sie sind: teure Zelte auf einem schlammigen Feld in Ohio.

Quelle: TechCrunch

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