Es hat 15 Jahre gedauert, doch Apple hat dem iPad mit iPadOS 26 endlich das echte Multitasking verpasst, das die Hardware schon lange verdient hat. Ein Jahr nach dem Rollout des massiven Updates werfen wir auf der codekiste.dev einen kritischen Blick auf die Praxis – und die zeigt ein zwiespältiges Bild.
Die Erfolge: Endlich Pro-Software für Pro-Hardware
Der unbestrittene Höhepunkt von iPadOS 26 ist das neue Windowing-System. Apple hat die starren Vollbild-Zwänge aufgebrochen und echtes, frei skalierbares Fenster-Management eingeführt. Als Nutzer kann man Apps nun endlich an den Rand schieben, als Popover andocken oder nahtlos in der Größe verändern. Das ist ein Paradigmenwechsel, der das iPad erstmals als ernsthafte Arbeitsmaschine positioniert.
Ein weiterer, oft unterschätzter Gewinn aus dem neuen Windowing: Der persistente Dock. Wenn man die Fenster davon fernhält, kann man den Dock nun permanent am unteren Bildschirmrand einblenden lassen – genau wie auf dem Mac. In Kombination mit der Möglichkeit, nun auch Ordner im Dock abzulegen, wird die Navigation zwischen Apps deutlich flüssiger.
Auch die App-Landschaft selbst hat aufgeholt. Die Files-App in Kombination mit der neuen Preview-App lässt das Datei-Management auf dem iPad endlich erwachsen werden und schließt die Lücke zum Mac. Auch die neue Menüleiste ist ein Segen, auch wenn sie noch nicht ganz die Funktionstiefe von macOS erreicht. Sie bündelt endlich Steuerungselemente, die zuvor in diversen Untermenüs versteckt waren. Und als kleines, aber feines Bonus-Feature hat auch Apples Journal-App den Weg auf das iPad gefunden.
Kurz gesagt: iPadOS 26 ist das Update, das die jahrelange Diskrepanz zwischen der extrem leistungsstarken Hardware und der kastrierten Software erstmals signifikant verringert.
Die Schattenseiten: Eine Baustelle namens Alltag
Doch wer das iPad Pro als Vollzeit-Gerät nutzt, bei dem reißt die neue Oberfläche auch schnell alte Wunden auf. Das fundamentale Problem: Die Stabilität der neuen Features hält im Alltag nicht immer dem Versprechen stand.
So preist Apple die „persistent size and placement“ der Fenster an – also die Tatsache, dass Fenster exakt dort und in der Größe bleiben, wo man sie platziert hat. In der Praxis führt das jedoch fast täglich zu Abstürzen, bei denen Apps in den Vollbild-Modus zurückgesetzt werden. Man ist gezwungen, das Layout mühsam neu aufzubauen. Das wäre bei einem Einsteiger-Gerät vielleicht verzeihlich, auf einem M5 iPad Pro mit 16 GB RAM und 10-Core CPU ist es schlichtweg inakzeptabel. Auf dem Mac treten derartige Layout-Abstürze nicht annähernd so häufig auf.
Noch schwerer wiegt die Regression bei Slide Over. Apple hat das Feature in iPadOS 26.1 zwar zurückgebracht, doch im Gegensatz zu iPadOS 18 ist es nun nicht mehr möglich, mehrere Apps gleichzeitig im Slide Over-Modus zu nutzen. Für ein Update, das das iPad produktiver machen soll, ein mehr als fragwürdiger Rückschritt.
Dazu gesellen sich diverse kleinere, aber nervige Bugs:
- Rechtsklicks reagieren oft spürbar verzögert („laggy“), während sie auf dem Mac instantan erfolgen.
- Das Verschieben und die Größenänderung von Fenstern per Trackpad geraten regelmäßig durcheinander.
- In Safari löscht die Auto-Vervollständigung manchmal eingegebene Zeichen in der Adressleiste wieder.
- Web-Kompatibilität: Auf bestimmten Websites lassen sich Buttons schlichtweg nicht klicken – ein Problem, das einen zwingt, doch wieder zum Mac zu greifen.
Fazit und Ausblick
iPadOS 26 ist zweifellos der größte Sprung, den die Plattform je erlebt hat. Es legt ein starkes Fundament, auf dem Apple nun aufbauen muss. Doch das Update ist auch eine klassische 1.0-Version eines neuen Paradigmas: Die großen Features sind da, die Detailarbeit und Stabilität fehlen noch.
Mit Blick auf die Zukunft stellt sich ohnehin die generelle Frage nach der Positionierung des iPads in einer Welt, in der faltbare iPhones und Touchscreen-Macs auf dem Vormarsch sind. Das iPad hat durch iPadOS 26 viel von seiner Daseinsberechtigung zurückgewonnen. Nun liegt es an Apple, mit iPadOS 27 die Ränder zu glätten und die Pro-Experience endlich lückenlos an die Pro-Hardware anzupassen.
Quelle: 9to5Mac