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Der Aufforstungs-Trugschluss: Warum mehr Bäume nicht automatisch das Klima retten

Das Internet liebt Baumpflanzaktionen. Doch die Realität zeigt: Bloße Zahlen reichen nicht. Warum der Standort, die Baumart und der Schutz bestehender Wälder viel wichtiger sind als jeder Pflanzrekord.

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Codekiste Redaktion22. Juni 2026

Erinnert ihr euch noch an diese Aktion hier von Mr. Beast und Mark Rober willlion trees. 20 Millionen Bäume wollten die 2019 pflanzen und auf einmal war ganz YouTube im Baumflanzfieber.99 klar mehr Bäume klingen nice und geben uns ja auch direkt ein gutes Gefühl. Da ist doch der eine Flug in den Sommerurlaub gleich nicht mehr so schlimm. Man tut ja was Gutes. Fühlt ihr? Nach diesem Video vielleicht nicht mehr, denn wir nehmen heute das Bäumepflanzen mal genauer unter die Lupe. Was bringen die ganzen Billionen Bäumeaktionen wirklich und sind wir damit auf dem Holzweg? Wollt ihr euch auch gegen die ganzen Desinformationen im Internet aufbäumen? Wir machen genau das, jede Woche hier auf YouTube und wir brauchen dafür eure Unterstützung, denn in jedem Video stecken ca. 200 Stunden Arbeit von unserer Wissenschaftsredaktion und unserer Postproduktion und das kostet natürlich Geld. Hier auf YouTube könnt ihr Kanalmitglied werden und uns damit direkt unterstützen, was uns wirklich sehr sehr hilft und als Bonus kriegt ihr z.B. für Videos wie dieses hier früher vor allen anderen zu sehen. Danke euch für eure Unterstützung und jetzt auf zur Klärung der Baumythen. Auf unserem Planeten gibt es über 3 Billionen Bäume und das ist das deutsche Billionen. Das heißt, für jeden Abonnenten unseres Kanals gibt es grob 7 Millionen Bäume. Das klingt viel, aber seit Beginn der menschlichen Zivilisation sind unsere Baumbestände tatsächlich um fast die Hälfte geschrumpft, weil wir Holz als Brennstoff brauchen oder daraus Toilettenpapier machen, weil wir die Waldflächen lieber für Plantagen oder Infrastruktur nutzen und auch, weil Brände ganze Wälder verschlingen, heute auch noch angeheizt vom Klimawandel. Und die Bestände schrumpfen weiter. Mehr als 15 Milliarden Bäume fällen wir Schätzungen zufolge jedes Jahr. Das sind rund 41 Millionen am Tag. Das wissen wir, weil 2015 ein Team um den Ökologen Thomas Crother diese Studie gemacht hat. Wie viele Bäume wir netto verlieren, also wie viele wir verlieren, wenn wir die gefällten Bäume und die z.B. durch Waldbrand zerstörten Bäume mit den neu gepflanzten Gegenrechnen. Das steht aber nicht drin. Falls euch das doch mal irgendwo begegnet, Thomas Craffler hat 2015 geschätzt, dass wir jährlich etwa 5 Milliarden Bäume neu pflanzen und damit 15- 5, also 10 Milliarden Bäume netto jedes Jahr verlieren. Das ist aber eben seine persönliche Einschätzung, kein wissenschaftlich peer reviewtes Untersuchungsergebnis. Eine Nachrichtenagentur hat diese griffige Zahl trotzdem als Fakt weiterverbreitet und andere Medien haben sich dran gehangen. Bodenlos. Verlässlichere Zahlen zum Verlust kommen von der FAO oder auch von Global Forest Watch. Die nutzen teils verschiedene Quellldaten und lassen Plantagenernten unterschiedlich in ihre Auswertungen einfließen. Letztendlich aber mit dem gleichen Ergebnis. Wir haben Jahr für Jahr einen Nettowaldverlust von mehreren Millionen Hektar. Und unabhängig davon, dass Bäume natürlich in mehrfacher Hinsicht ziemlich nice sind, wasserregulierend, schattenspendend, Temperatursenkend, luftreinigend, sind sie vor allem auch eins. Massive Kohlenstoffspeicher. 714 Gigatonnen ist ihr aktueller Vorrat, davon etwa die Hälfte im Boden und die andere in der lebenden Biomasse. Umgerechnet entspricht das aktuell rund 70 Jahren menschengemachter CO2 Emissionen. Mit dem Netto Baumverlust schrumpft dieser Speicher aber und genau das wollen unzählige Programme bekämpfen. Eine Milliarde Bäume für Neuseeland, 2 Milliarden Bäume für Kanada, 3 Milliarden Bäume für die EU. Wer bietet mehr? Aber was nützen diese Programme eigentlich? Baum ist schließlich nicht gleich Baum. Alter, Größe oder Standort sind extrem wichtig. Es ist wie immer komplex. Also wir gehen rein. Es gibt kaum ein Land auf der Welt, das aktuell kein Baumflanzziel hat. Dabei sollten wir viel mehr im Blick haben, dass einige Standorte wertvoller sind, um dort Bäume zu pflanzen als andere. Bäume in den Tropen sind nämlich die Goats, während das Pflanzen in höheren Breitengraden mit Blick auf die Klimabemühungen weniger nützlich ist. Das liegt unter anderem am Albedoeffekt und der Evapo Transpiration. Albedo ist das Rückstrahlvermögen einer Fläche, die angestrahlt wird. Bei unserer Erdoberfläche ist der Albedowert sehr unterschiedlich, je nachdem, wo die Strahlung landet. Da, wo Sonnenstrahlen auf Schnee treffen, ist der Albedowert bis zu 0,95. Das heißt, die Sonneneinstrahlung wird zu 95% zurückgeworfen. Wo Sonnenstrahlen auf Wälder treffen, liegt der Albedowert je nach Wald nur etwa bei 0,1 bis 0,2. Wenn ich jetzt also in borealen Regionen, die standardbedingt lange Schnee und Eisphasen haben, Bäume pflanze, dann untergrabe ich den dort eigentlich wirkenden und guten Albedoeffekt und lasse zu, dass mehr Strahlung und damit mehr Wärme von der Planetenoberfläche aufgenommen, also absorbiert wird. Evapo Transpiration wiederum wirkt am meisten in den warmen, feuchten Tropen. Dabei gelangt durch Verdunstung von Boden und Pflanzen Wasser in die Atmosphäre. Das hat in Bodennähe an sich schon einen kühlenden Effekt. Außerdem entstehen aber auch mehr Wolken, die wiederum für kühlenden Niederschlag sorgen und Albedoeffekt Incoming Sonneneinstrahlung reflektieren. Weniger Regenwald, weniger Evapootranspiration, mehr Klimakrise. Modellstudien sind mit diesen Erkenntnissen in den letzten Jahren auch zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Nicht die Anzahl der Bäume, die wir pflanzen, ist entscheidend, sondern die richtige Standortwahl. Lage, Lage, Lage. Und die ist bei Bäumen nicht nur durch Evapanspiration und Albedo begrenzt, sondern z.B. auch noch dadurch, dass wir auf einer Straße oder einem Acker nicht von heute auf morgen einfach wieder Wald pflanzen können, nur weil da mal einer war. Und ja, Bäume sind nicht nur für den Klimaschutz gut, hatte ich ja vorhin schon auch gesagt, aber es ist absolut unlogisch, dass internationale Baumpflanzinitiativen sich als Ziel ein stabiles Klima auf die Fahne schreiben, dann aber größtenteils missachten, wo der beste Standort für ihre Bäume wäre. Diese Initiativen sind bestimmt alle gut gemeint, aber nicht automatisch gut gemacht. Und selbst wenn der Standort stimmt, viel zu viele Baumpflanzprojekte zielen immer noch auf Monokulturen und auf Wirtschaftlichkeit vor Klimaschutz ab. Die sogenannten grünen Wüsten sind in jeglicher Hinsicht von Biodiversität bis Schädlingsresilienz ungeeignet, um dem Klimawandel effektiv entgegenzuwirken. Aber es ist natürlich viel wirtschaftlicher, wenn man schnellwachsende Eukalyptusbäume pflanzt und die alle 7 Jahre fällt. Immerhin geht der gespeicherte Kohlenstoff damit nicht direkt zurück in die Atmosphäre. Trotzdem ist es der erste Schritt dahin. Die Endprodukte, z.B. Zellstoff für Papier oder Karton, sind meist nur noch wenige Monate bis Jahre im Umlauf. bevor sie dann in Recycling und schließlich in Verbrennungsanlagen landen. Und dann ist das CO2 eben doch wieder in der Atmosphäre. Und selbst während sie wachsen, schneiden Monokulturwälder als Kohlenstoffsenken laut diesen Studien hier schlechter ab als Wälder, die sich natürlich regeneriert haben. Und auch hier wieder vor allem in den für die Klimabemühungen so wichtigen Tropen. Menschen können dabei natürlich unterstützen, aber ehrlicherweise sind unsere Kapazitäten für die hochgesteckten Pflanzziele auch ziemlich limitiert. Ein Beispiel: Die Macher dieser Studie von 2019 haben berechnet, dass es in den USA etwa 26 Millionen Hektar Land gibt, dass man theoretisch wieder aufforsten könnte. Dafür müsste man allerdings jedes Jahr bis 2040 3 Milliarden Setzlinge pflanzen. Aktuell sind es gerade einmal 1,3 Milliarden, weniger als die Hälfte. Ähnlich sieht es mit Saatgut und Arbeitskräften aus und die braucht es nicht nur zum Anpflanzen, sondern dringend auch für die Arbeiten danach. Ein Gebiet voller Setzlinge ist nämlich noch kein Wald. Zäune Wildfras, Beschattung in ungeschützten Gebieten oder Bewässerung, bis die Wurzeln lang genug sind, um selbst auf genug Wasser zu stoßen. Jedes Pflanzgebiet und jede Baumart bringt da eigene Anforderungen mit. Die Studie von 2019 zeigt aber, genau in diesen wichtigen Arbeiten wird nur dann investiert, wenn es um industrielle Wiederaufforstung geht. Klar, weil ohne ordentlich wachsende Bäume kein Holz. Nicht kommerziellen Wiederaufstungsprojekten fehlen dagegen oft die finanziellen Mittel und es hakt auch beim Wachstumsmonitoring. Soll heißen, es fehlen transparente Daten darüber, wie es mit den Setzlingen nach dem Pflanzen weitergeht. Auswertungen zeigen, dass meist nur die Betreiber des Baumflanzprojekts selbst die Daten erheben und die außerdem oft lückenhaft sind. Wie viele Setzlinge nach Jahren geschweige denn Jahrzehnten überhaupt noch stehen, ist systematisch oft kaum nachzuvollziehen. Wir haben ja am Anfang des Videos auch das Baumflanze von Mr. Beast und Co gezeigt. Laut Recherchen von PBS haben von den 2000 Auftaktbäumen gerade einmal 118 überlebt. Weniger als 6%. Wenn solche Projekte die Zeitspanne nach dem Pflanzen nicht mitdenken, dann sind sie leider wenig hilfreich für einen langfristigen Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel. Was zielt, ist schließlich der Baum nach 10, 50 oder 100 Jahren und nicht der Setzling beim Pflanzen. Nachhaltigkeit ist so wichtig, nicht nur für die Umwelt, sondern auch für eure Finanzen. Damit eure Kredite und Zinsen nicht wie Unkraut in die Höhe schießen, gibt es Anfin. Es passiert schnell, dass man zu viele Kredite aufnimmt, sich mit den Ratenzahlungen verschätzt oder die Kreditkarte einmal zu oft benutzt. Anin setzt genau da an. Die App prüft eure aktuellen Kredite, Ratenkäufe, Dispos oder auch Kreditkarten Schulden und bietet euch, wenn möglich, einen besseren und günstigeren Zinssatz an. In diesem Fall löst Anifin eure teuren alten Kredite ab und ihr zahlt sie dann mit besseren Konditionen in nur einer monatlichen Rechnung an Any Anfin zurück. Anfin macht euch aber nur dann ein Angebot, wenn sie es wirklich schaffen, Zinsen und Kosten zu senken. Mit Any bekommt ihr außerdem auch die Flexibilität, dass ihr den Kredit pausiert, langsamer zurückzahlt oder und das wollen andere Kreditgeber meistens nicht, dass ihr schneller zurückzahlt als geplant. 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Deswegen müssen wir heute mit Blick auf Aufforstung und Wiederaufforstung auch noch mitbedenken, dass Landfläche hart umkämpft ist, dass es massive Kosten mit sich bringt und und dieses Balkendiagramm zeigt das ganz gut. Wir sehen da das Emissionsminderungspotenzial für verschiedene Maßnahmen und farblich gekennzeichnet in verschiedenen Weltregionen. Uns interessieren vor allem die Balken für weniger Entwaldung aka Waldschützen und Aufforstung und Wiederaufforstung. Der jeweils obere Balken zeigt uns das technische Potenzial und da gibt's einen klaren Sieger Aufforstung und Wiederaufforstung. Aber wenn wir in diese Maßnahmen die Kosten mit einbeziehen, dann schneidet Entwaltung reduzieren deutlich besser ab. Und ich glaube, das ist auch logisch. Etwas nicht zu zerstören ist in der Regel günstiger als etwas kaputtes wieder aufzubauen. Vor allem mit Blick in die nahe Zukunft. Also 2030, 40, 50 bringen uns also Baumpflanzrekorde nichts, wenn wir das Schützen der vorhandenen Waldbestände nicht mindestens genauso vorantreiben. Über 2050 hinaus wird dann entscheidend sein, was wir heute gepflanzt haben und wie die Klimakrise sich dann entwickelt. Denn was heute klimatisch ein guter Standort für einen Baum ist, kann es schon bis Ende des Jahrhunderts nicht mehr sein. Durch den Klimawandel verschieben sich die Klimazonen und zwar schneller als Wälder durch natürliche Ausbreitung mitwandern können. Wer also heute einen Wald pflanzt, der nicht alle 7 Jahre wieder abgeholzt wird, sondern langfristig bestehen und CO2 binden soll, der muss das künftige Klima mitdenken. Macht aber kaum einer. Okay, wo, wie und wann wir welche Bäume pflanzen, ist eigentlich um einiges wichtiger als wie viele. Zumindest wenn wir es nachhaltig angehen wollen und der Baum nach Jahrzehnten noch stehen soll. Und da sind die Möglichkeiten eben ganz schön limitiert. Das heißt, selbst wenn wir es richtig angehen, verschafft uns das am Ende doch nur ein wenig Puffer, um mit unseren Emissionen runterzukommen. Und daran führt letztendlich kein Weg vorbei. So wie man schlechte Ernährung nie komplett mit Sport kompensieren kann oder so wie man chronischen Schlafmangel nicht durch einen Eimer Kaffee ausgleichen kann, so können wir eben auch nicht weiter wie bisher imitieren, egal wie viele Bäume wir pflanzen. Ich weiß, das ist ganz schön ernüchternd zu hören, aber es macht uns eben auch klar, Bäumepflanzen ist definitiv nicht das Panzertape unter den Klimaschutzmaßnahmen. Näher dran ist der Schutz von Bäumen und Wäldern, die wir noch haben. Lass uns also bitte daran arbeiten, nicht noch mehr zu zerstören, indem wir nicht blind Bäume pflanzen, die am Ende nur Plantagenholz sind. indem wir unseren Lebensstil mal durchchecken, wie baumfreundlich der eigentlich ist und vor allem indem wir Politiker und Entscheider wissen lassen, was wir von vielleicht gut gedachten, aber letztendlich schlecht gemachten Maßnahmen wie den Baumflanzzielen halten. Vielleicht kann der Zähler dann in einem Update Video ein wenig langsamer laufen. Klopft auf Holz. Oh, Dreck. Das ist ja Holz und dann kann man trotzdem auch klopfen. Alles alles cring gebt uns einen Daumen nach oben. Gebt uns bitte Geld. Geld ist ja auch aus Bäumen, deswegen wollen wir bitte nur digitales Geld. Danke.

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