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DeepSeek V4 soll nächste Woche erscheinen – mit Optimierung für Huawei- und Cambricon-Chips

DeepSeek plant den Release seines multimodalen Modells V4. Besonders brisant: Die Optimierung erfolgte für chinesische Hardware – ein strategischer Schritt weg vom NVIDIA-Ökosystem.

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Christopher Ackermann28. Februar 2026

Wie Techmeme unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, bereitet das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek den Release seines multimodalen Sprachmodells V4 für die kommende Woche vor. Besonders brisant: Das Modell wurde gemeinsam mit Huawei und dem chinesischen Chip-Hersteller Cambricon optimiert – ein deutliches Signal für die wachsende Unabhängigkeit vom US-Technologiesektor.

Multimodalität als nächster Evolutionsschritt

DeepSeek hat sich mit seinen bisherigen Modellen – insbesondere dem Reasoning-Modell R1 und dem Grundmodell V3 – als ernstzunehmender Konkurrent zu OpenAI und Google etabliert. Die bisherigen Lösungen konzentrierten sich jedoch primär auf Textverarbeitung. Mit Version 4 soll nun der Sprung in die Multimodalität gelingen: Das Modell wird voraussichtlich nicht nur Text, sondern auch Bilder, Audioinhalte und möglicherweise sogar Videosequenzen verarbeiten und generieren können.

Diese Entwicklung ist folgerichtig. Während OpenAI mit GPT-4V und Google mit Gemini bereits multimodale Systeme im Markt etabliert haben, fehlte DeepSeek bisher eine vergleichbare Allzweck-KI. Der Release von V4 würde diese Lücke schließen und das Unternehmen endgültig in der ersten Liga der KI-Entwickler verankern. Für Entwickler bedeutet dies einen weiteren leistungsstarken Open-Source-Konkurrenten, der potenziell ohne die üblichen API-Kosten auskommt.

Unabhängigkeit durch lokale Chip-Ökosysteme

Besonders bemerkenswert ist die angekündigte Zusammenarbeit mit Huawei und Cambricon. Während westliche KI-Unternehmen fast ausschließlich auf NVIDIA-GPUs setzen, optimiert DeepSeek V4 explizit für Huaweis Ascend-Chips sowie für die Beschleuniger des Spezialisten Cambricon. Diese strategische Partnerschaft hat mehrere Dimensionen.

Zum einen reagiert DeepSeek damit auf die verschärften US-Exportkontrollen für High-End-Chips. Durch die Optimierung für einheimische Hardware sichert sich das Unternehmen langfristig den Zugriff auf leistungsfähige Recheninfrastruktur, unabhängig von internationalen Handelsbeschränkungen. Zum anderen stärkt es die chinesische Halbleiterindustrie, die seit Jahren versucht, die Dominanz von NVIDIA und AMD zu brechen.

Cambricon gilt dabei als einer der vielversprechendsten chinesischen KI-Chip-Hersteller. Das Unternehmen entwickelt spezialisierte MLU-Beschleuniger (Machine Learning Unit), die für Inferenz- und Training-Workloads optimiert sind. Huawei wiederum pusht mit seiner Ascend-Serie – insbesondere dem Ascend 910B – aggressiv in den KI-Markt. Die Tatsache, dass DeepSeek diese Hardware für V4 optimiert, könnte den Durchbruch für chinesische Alternativen zum CUDA-Ökosystem bedeuten.

Implikationen für den globalen KI-Markt

Für Unternehmen könnte DeepSeek V4 erneut den Preisdruck im KI-Markt verschärfen. Bereits mit R1 und V3 bewies das Unternehmen, dass hochperformante KI-Modelle deutlich kostengünstiger trainiert und betrieben werden können als von westlichen Konkurrenten behauptet. Ein multimodales Modell, das zudem auf diverser Hardware läuft, würde die strategische Abhängigkeit vom NVIDIA-Stack untergraben und die Fragmentierung der KI-Infrastruktur beschleunigen.

Analysten beobachten den Schritt mit Spannung. Die Kombination aus offenen Modellen (DeepSeek veröffentlicht typischerweise Open-Source-Weight-Dateien), multimodalen Fähigkeiten und Hardware-Unabhängigkeit könnte das Geschäftsmodell etablierter Player fundamental in Frage stellen. Insbesondere für europäische und asiatische Unternehmen, die nach Alternativen zu amerikanischen Cloud-Ökosystemen suchen, bietet DeepSeek V4 eine interessante Option.

Ob das Modell tatsächlich nächste Woche erscheint und ob die Performance auf nicht-NVIDIA-Hardware mit den besten westlichen Systemen mithalten kann, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: DeepSeek setzt die Tech-Branche weiterhin unter Druck und beschleunigt die Entwicklung hin zu einem multipolaren KI-Markt, in dem Hardware-Ökosysteme eine zunehmend geopolitische Dimension erhalten.

Quelle: Techmeme

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