Der Kampf um die Vorherrschaft im Streaming-Markt wird zunehmend zu einem Kampf um Aufmerksamkeitsspannen. Während Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video auf ein breites, quantitatives Angebot setzen, verfolgt Apple mit TV+ seit jeher die Strategie „Quality over Quantity“. Diese Ausrichtung mag in der Vergangenheit oft für spärliche Veröffentlichungspläne kritisiert worden sein, doch aktuell erlebt der Dienst eine bemerkenswerte Phase: Gleich drei hochkarätige und von Kritikern gefeierte Serien laufen zeitgleich, was die Wertigkeit des Abos massiv erhöht.
Die etablierten Schwergewichte
Nachdem zuletzt hochgelobte Formate wie Shrinking ihre aktuellen Staffeln abgeschlossen haben, bleibt das Programm von Apple TV+ erstaunlich stark besetzt. An der Spitze stehen zwei etablierte Serien, die aktuell ihre neuen Staffeln ausstrahlen.
For All Mankind ist in seine fünfte Staffel gestartet und beweist, dass die alternative Raumfahrt-Historie nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Die Serie, die einen fiktiven Weltraumwettlauf erzählt, in dem die Sowjetunion als Erste den Mond betritt, hat sich zu einem Kronjuwel des Dienstes entwickelt. Mit einem starken Score von 90 % auf Rotten Tomatoes wird die fünfte Staffel von Kritikern als Rückkehr zur Höchstform gefeiert.
Ebenso stark zeigt sich Your Friends & Neighbors. Die Serie feierte erst im letzten Frühjahr ihr Debüt und wurde zügig um eine zweite Staffel verlängert, die aktuell ausgestrahlt wird. Mit 88 % auf Rotten Tomatoes übertrifft die neue Staffel die erste sogar noch an Reife und Überzeugungskraft.
Der Neuling mit 100-Prozent-Score
Doch Apple ruht sich nicht auf den etablierten Erfolgen aus. Ab dieser Woche kommt mit Margo’s Got Money Troubles ein dritter Schwergewichtskandidat ins Spiel. Die Serie feiert am 15. April mit den ersten drei Episoden gleichzeitig Premiere. Nach der Vorstellung auf dem SXSW-Festival im vergangenen Monat hagelt es für den Neuling Superlativen: Die Serie glänzt aktuell mit einem nahezu astronomischen Score von 100 % auf Rotten Tomatoes.
Verantwortlich für das Projekt zeichnet David E. Kelley, ein Veteran im Bereich präzise Charakterstudien und Justiz-Dramen (Big Little Lies). Die Besetzung liest sich wie das Who is Who von Hollywood: Elle Fanning übernimmt die Titelrolle, unterstützt von Michelle Pfeiffer, Nicole Kidman, Nick Offerman, Marcia Gay Harden und Greg Kinnear. Die Handlung basiert auf dem Bestseller-Roman von Rufi Thorpe und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Tragik und Komik. Es erzählt die Geschichte der College-Abbrecherin und angehenden Autorin Margo, der Tochter einer Ex-Hooters-Kellnerin und eines Ex-Profi-Wrestlers, die sich mit einem Baby, wachsenden Schulden und schwindenden Optionen durchs Leben schlagen muss.
Strategische Einordnung: Der Kampf gegen die Churn-Rate
Aus journalistischer und medienökonomischer Sicht ist diese Konstellation hochinteressant. Für Streaming-Dienste ist die sogenannte Churn-Rate – also die Abwanderungsquote der Abonnenten – der größte Feind. Nutzer kündigen oft unmittelbar nach dem Binge-Watching ihrer Lieblingsserie. Indem Apple nun sicherstellt, dass drei absolute Top-Serien bis weit in den Mai hinein (mindestens bis zum 20. Mai, teils noch länger) wöchentlich neue Episoden ausstrahlen, wird ein ständiger Verbleibgrund geschaffen. Der Nutzer kommt gar nicht erst in die Versuchung, das Abo nach Ende einer Serie zu pausieren. Es entsteht ein Wasserfall an Qualität, der den Kunden im Ökosystem hält.
Mit einem Preis von 12,99 Euro pro Monat (oder vergünstigt über das Apple One Bundle) positioniert sich Apple TV+ im oberen Preissegment. Um diesen Preis zu rechtfertigen, muss der Dienst kontinuierlich liefern. Die aktuelle Dreifach-Konstellation aus Sci-Fi-Drama (For All Mankind), erwachsener Dramedy (Your Friends & Neighbors) und exzentrischer Literaturverfilmung (Margo’s Got Money Troubles) bietet genau die righte Mischung aus Breite und Exzellenz, die nötig ist, um im Gedächtnis der Zuschauer zu bleiben.
Mit dem kommenden Sommer stehen zudem die Rückkehrer Ted Lasso und Dark Matter in den Startlöchern. Apple hat die oft kritisierte Content-Lücke offensichtlich nicht durch Masse, sondern durch chirurgisch präzise Platzierung von Premium-Inhalten geschlossen. Für Serienfans sind die kommenden Wochen ein starkes Argument, den Dienst fest im Abo zu behalten.
Quelle: 9to5Mac