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Apple bereinigt iWork: Alte Pages-, Keynote- und Numbers-Versionen verschwinden

Apple entfernt die alten iWork-Apps aus dem Mac App Store. Nur noch die Creator Studio-Versionen bleiben – inklusive subtiler Abo-Werbung in den vormals kostenlosen Anwendungen.

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Codekiste Redaktion13. April 2026

Für Nutzer von Apples iWork-Suite auf dem Mac war die Situation im Mac App Store in den vergangenen Monaten mehr als verwirrend. Wer Pages, Keynote oder Numbers laden wollte, stand vor einem Rätsel: Warum gab es plötzlich zwei Versionen derselben App? Dieser unschönen Zustand macht Apple nun ein Ende. Die alten Build-Versionen der iWork-Apps wurden kurzerhand aus dem App Store entfernt. Was auf den ersten Blick wie eine logische aufräumende Maßnahme wirkt, hat jedoch tiefergehende Implikationen für die Nutzungs- und Bezahlmodelle der einst rein kostenlosen Apple-Software.

Das Chaos der doppelten Apps

Der Ursprung dieses Durcheinanders liegt in der Einführung des „Apple Creator Studio“ zu Beginn des Jahres. Dabei handelt es sich um ein neues, pro-fokussiertes Software-Bundle für Kreative, das Zugang zu Profi-Apps wie Final Cut Pro, Logic Pro und Pixelmator Pro bietet. Das Besondere: Das Bundle umfasst auch exklusive Funktionen in Apples eigentlich kostenloser iWork-Suite (Pages, Keynote, Numbers).

Während Apple auf dem iPhone und iPad das Problem elegant löste, indem die neuen Creator-Studio-Funktionen einfach als normales Update in die bestehenden App-Store-Einträge integriert wurden, war der Rollout auf dem Mac von unnötiger Komplexität geprägt. Statt die bestehenden iWork-Apps zu aktualisieren, veröffentlichte Apple völlig separate Versionen im Mac App Store, die das Creator-Studio-Branding trugen. Die alten Versionen blieben jedoch weiterhin verfügbar. Ein Zustand, der nicht nur Nutzer verwirrte, sondern auch unnötig Speicherplatz und Aufmerksamkeit band.

Wie nun durch den Entwickler Aaron Perris in Erfahrung gebracht wurde, hat Apple diesen Spalt heute beendet. Die alten iWork-Apps sind offiziell aus dem Mac App Store entfernt worden. Wer die alten Versionen bereits in seiner Bibliothek hat, kann diese zwar weiterhin über die Kaufhistorie herunterladen. Für neue Nutzer gibt es jedoch nur noch einen Weg: die Creator-Studio-kompatiblen Versionen.

Kritische Einordnung: Der Vormarsch des Freemium-Modells bei Apple

Auf den ersten Blick scheint Apples Bereinigungsaktion lediglich ein spätes Eingeständnis dafür zu sein, dass die duale App-Strategie auf dem Mac ein Fehler war. Doch bei genauerem Hinsehen offenbart dieser Schritt einen tiefergehenden Wandel in Apples Software-Philosophie – und der gibt Anlass zur Diskussion.

Seit 2013, als Apple iWork kostenlos zu neuen Geräten anbot, galten Pages, Keynote und Numbers als Paradebeispiel für hochwertige, werbefreie Basis-Software. Man lud die App herunter, und sie gehörte einem – ohne If und Aber, ohne Upselling. Mit der Umstellung auf die Creator-Studio-Versionen ändert sich dieses Nutzererlebnis subtil, aber spürbar. Apple betont zwar, dass die Apps weiterhin grundsätzlich kostenlos nutzbar sind und man kein Creator-Studio-Abo benötigt, um die Basis-Funktionen zu verwenden. Doch die Apps sind nun zu einem Vehikel für Abo-Werbung geworden.

In der Software-Industrie ist dieses Vorgehen als „Freemium“-Modell bekannt. Die kostenlose Version wird genutzt, um die Bezahlvariante anzupreisen. Im Fall von iWork bedeutet das konkret, dass Nutzer innerhalb der Apps Ermutigungen (Encouragements) sehen werden, ein Creator-Studio-Abo abzuschließen, um den vollen Funktionsumfang freizuschalten. Dies markiert einen Paradigmenwechsel. Wo früher die Grenzen der Software schlicht durch den Funktionsumfang von Apple gezogen wurden, sind es nun Paywalls, die den Zugriff auf bestimmte Pro-Features blockieren.

macOS als Stiefkind der App-Entwicklung

Bemerkenswert ist auch, wie sehr dieser Vorfall die unterschiedliche Behandlung von iOS und macOS innerhalb von Apple offenbart. Auf dem iPhone funktionierte das Update reibungslos, auf dem Mac bedurfte es erst eines öffentlichen Chaos, gefolgt von einer radikalen Bereinigung. Es scheint, als sei der Mac App Store intern nach wie vor ein Stiefkind, dessen Infrastruktur und Update-Mechanismen nicht dieselbe Sorgfalt erfahren wie das mobile Ökosystem. Dass Apple ausgerechnet bei seinen eigenen First-Party-Apps derartige Kompromisse bei der Nutzerführung eingehen musste, bevor man die Reißleine zieht, ist ein schlechtes Zeichen für die Plattform.

Fazit

Die Entfernung der alten Pages-, Keynote- und Numbers-Versionen aus dem Mac App Store ist ein notwendiger Schritt, um ein selbst verursachtes Chaos zu bereinigen. Die Transparenz für den Nutzer steigt, da es nun nur noch einen klaren Download-Weg gibt. Gleichzeitig sollten Mac-Nutzer jedoch wachsam sein. Die einst völlig werbefreie und abofreie iWork-Suite wird nun als Lockmittel für das kostenpflichtige Creator Studio instrumentalisiert. Die Apps bleiben zwar kostenlos, aber der Preis, den Nutzer zahlen, ist eine zunehmende Kommerzialisierung der Nutzererfahrung. Es bleibt abzuwarten, wie aufdringlich die Abo-Werbung in den neuen Versionen letztlich ausfallen wird.

Quelle: 9to5Mac

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