Apples kleiner Tracker geht in die zweite Runde
Fünf Jahre nach dem Original hat Apple den AirTag 2 vorgestellt – und auf den ersten Blick hat sich erstaunlich wenig verändert. Das Design ist nahezu identisch, der Preis ebenfalls. Doch unter der Haube soll sich einiges getan haben. Wie c't 3003 in einem ausführlichen Praxistest zeigt, ist es vor allem die deutlich verbesserte Reichweite, die den AirTag 2 von seinem Vorgänger abheben soll. Das YouTube-Team hat den neuen Tracker unter realen Bedingungen getestet – inklusive eines direkten Vergleichs mit dem Moto Tag, dem derzeit stärksten Konkurrenten aus dem Android-Lager.
Warum AirTags für viele Apple-Nutzer unverzichtbar sind
Es ist ein Phänomen, das man im Apple-Ökosystem immer wieder beobachtet: Nicht die teuren Flaggschiff-Produkte sind es, die Nutzer langfristig an die Plattform binden, sondern oft die kleinen, unscheinbaren Gadgets. Der AirTag ist dafür ein Paradebeispiel. Als günstigstes Apple-Produkt überhaupt hat er sich für viele Menschen zum unverzichtbaren Alltagsbegleiter entwickelt – ob am Schlüsselbund, im Koffer oder in der Handtasche.
Die ehrliche Aussage des c't-3003-Moderators bringt es auf den Punkt: Die AirTags seien für ihn persönlich der Hauptgrund, warum er vermutlich für immer im Apple-Ökosystem bleiben werde. Das mag zunächst übertrieben klingen, ist aber nachvollziehbar. Denn das "Wo ist?"-Netzwerk von Apple, das auf Hunderten Millionen aktiver Apple-Geräte weltweit basiert, ist in seiner Dichte und Zuverlässigkeit nach wie vor konkurrenzlos.
Das Reichweiten-Problem des ersten AirTags
Ein zentrales Alltagsproblem des ursprünglichen AirTags war die begrenzte Bluetooth-Reichweite. Wer schon einmal in einer größeren Wohnung oder einem Bürogebäude nach einem verlegten Gegenstand gesucht hat, kennt das Szenario: Das iPhone zeigt zwar den ungefähren Standort an, kann aber keine direkte Verbindung zum AirTag herstellen. Man läuft dann orientierungslos durch die Gegend, bis das Smartphone endlich ein Signal empfängt und die Präzisionssuche per Ultra-Breitband (UWB) starten kann.
Genau hier soll der AirTag 2 ansetzen. Apple verspricht eine signifikant höhere Reichweite, was in der Praxis bedeuten würde, dass die Verbindung zum Tracker schneller und aus größerer Entfernung hergestellt werden kann. Für den Alltag wäre das tatsächlich ein spürbarer Fortschritt.
Praxistest unter realen Bedingungen
Das Team von c't 3003 hat den Test bewusst nicht im Labor, sondern unter realen Bedingungen im und am Heise-Verlagsgebäude durchgeführt. Ein solches Umfeld mit Betonwänden, Stahlträgern und zahlreichen elektronischen Störquellen ist deutlich aussagekräftiger als ein kontrollierter Testaufbau. Denn genau in solchen Umgebungen – in Büros, Einkaufszentren oder Parkhäusern – müssen sich Tracker im Alltag bewähren.
Besonders interessant ist dabei der direkte Vergleich mit dem Moto Tag von Motorola. Dieser nutzt ebenfalls Ultra-Breitband-Technologie (UWB) und kann damit theoretisch eine zentimetergenaue Ortung ermöglichen – allerdings über Googles "Mein Gerät finden"-Netzwerk, das auf Android-Smartphones basiert. Damit ist der Moto Tag der derzeit ernstzunehmendste Konkurrent zum AirTag auf der Android-Seite.
UWB als Schlüsseltechnologie für präzise Ortung
Die Ultra-Breitband-Technologie ist der entscheidende Faktor, der moderne Tracker von einfachen Bluetooth-Trackern unterscheidet. Während klassisches Bluetooth lediglich eine ungefähre Entfernungsschätzung erlaubt, kann UWB die Position eines Objekts auf wenige Zentimeter genau bestimmen. Das iPhone zeigt dann einen Richtungspfeil an, der den Nutzer direkt zum gesuchten Gegenstand führt.
Mit dem AirTag 2 dürfte Apple den UWB-Chip der neuesten Generation verbaut haben, was sowohl die Reichweite als auch die Genauigkeit verbessern sollte. Für Android-Nutzer bietet der Moto Tag eine vergleichbare Funktionalität, setzt dabei aber auf Googles Netzwerk-Infrastruktur, die in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde.
Einordnung: Evolution statt Revolution
Der AirTag 2 ist kein revolutionäres neues Produkt – und das muss er auch nicht sein. Apple verfolgt hier eine bewährte Strategie: Ein bereits erfolgreiches Produkt wird in den entscheidenden Bereichen verbessert, ohne das grundlegende Konzept zu verändern. Gleiches Design, gleicher Preis, bessere Technik.
Für bestehende AirTag-Nutzer stellt sich die Frage, ob sich ein Upgrade lohnt. Wer regelmäßig mit den Reichweiten-Limitierungen des ersten Modells zu kämpfen hat, dürfte vom AirTag 2 profitieren. Wer hingegen mit dem Original zufrieden ist, hat keinen zwingenden Grund zum Wechsel.
Spannender ist die Entwicklung auf der Android-Seite. Mit dem Moto Tag und dem wachsenden "Mein Gerät finden"-Netzwerk von Google schließt Android die Lücke zu Apples Tracker-Ökosystem zunehmend. Ob das reicht, um mit der Dichte des Apple-Netzwerks mitzuhalten, bleibt abzuwarten – doch die Richtung stimmt.
Quelle: c't 3003